Innovationen im Personalmanagement: Interview mit Prof. Peter M. Wald im Nachgang des HR Innovation Day 2018

Gefühlt wird die HR-Szene Jahr für Jahr spannender. Veränderungen und Innovationen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Technische, organisatorische oder kulturgetriebene Innovationen stehen dem Personalmanagement bereit und warten darauf in der Breite genutzt zu werden. Das Angebot ist vielfältig und den Fokus auf die passenden Ansätze oder Tools zu legen fällt nicht immer leicht. Gerade daher ist das jährlich stattfindende Event „HR Innovation Day“ ein guter Orientierungspunkt. Neben der Beschäftigung mit vielen spannenden Themen spielt das Networking dort eine wesentliche Rolle. Ein echter HR-Community Event also!
Ich habe im Rückblick auf die Veranstaltung und mit Blick aufs Innovative ein Gespräch geführt mit dem Spiritus Rector des „HR Inno Day“, Professor Peter M. Wald von der HTWK Leipzig.

Wer es nicht kennt, sollte sich dieses Event in jedem Fall vormerken. Peter M. Wald, der in der HR-Community wohl mit am besten sicht- und greifbare Hochschulprofessor, organisiert den nicht-kommerziellen HR Innovation Day jedes Jahr an einem Samstag im Frühsommer. Dann kommen ca. 150 Interessierte aus Unternehmen, von Dienstleistern, von Hochschulen (auch Studenten) in Leipzig an der HTWK zusammen. Keynotes zu absoluten HR-Trendthemen und praxisorientierte Workshops bilden das Programm. Ich selbst habe mich mehrfach einbringen können mit u.a. Workshops zu meinen Leib- und Magenthemen Candidate Experience bzw. Cultural Fit.
Der Ankerpunkt dieses bunten Treibens rund um den HR Innovation Day ist der bestvernetzte Professor Peter M. Wald, der immer wieder neue interessante HR-Innovationen aufspürt und bei diesem Event zur Diskussion stellen lässt. Peter und ich kennen uns seit 2012, als er am allerersten HR BarCamp teil nahm und seither immer dabei ist. Gemeinsam haben wir im deutschsprachigen Raum die als Pionierstudie geltende „Candidate Experience Studie 2014“ verfasst, ebenso wie die „Candidate Journey Studie“, welche letztes Jahr veröffentlicht wurde.
Ich schätze Peter Wald und seine Arbeit sehr und da ist es nur logisch den – sonst immer viel zu bescheidenden – Veranstalter des HR Inno Days hier zu Wort kommen zu lassen. Let´s go…

Das Interview:

Christoph Athanas, meta HR: Lieber Peter, vielen Dank für die erneute Organisation des HR Innovation Day. Es war wieder einmal sehr spannend und lehrreich. Gerne möchte ich mit Dir das Event Revue passieren lassen und ein wenig über HR Innovation sprechen. Beginnen wir doch mit dem Event. Den HR Innovation Day gibt es ja nun schon einige Jahre, um genau zu sein war es dieses Jahr die siebte Ausgabe und wieder ein toller Erfolg. Was hat dich damals auf die Idee gebracht, den HR Innovation Day ins Leben zu rufen? Gab es einen konkreten Anlass?

Prof. Peter M. Wald, HTWK Leipzig: Am Start der HR Innovation Days bist Du nicht „unschuldig“. Nicht ganz zufällig entstand die Idee nach meiner Teilnahme an Deinem und Janis „Baby“ – dem ersten HR BarCamp 2012 (damals in Sara Wieners Küche!). Ich wollte meinen Studierenden im Rahmen einer etwas „aufgelockerten“ Lehrveranstaltung an einem Samstag einen möglichst breiten Überblick zu den News in der HR Community liefern. Ziel war und ist es, die wirklichen Neuheiten im Bereich HR und Führung im Programm zu haben, aber auch kontroverse Themen nicht auszusparen und das alles in einer eher familiären Atmosphäre mit Möglichkeiten zum Netzwerken. Damit sich Studierende und HR-Erfahrene austauschen können, lade ich zu diesem Event auch meine HR-Alumni ein. Dadurch erfahre ich, was es bei ihnen Neues gibt. Aus Anlass dieses Gespräches, habe ich mir auch einmal angeschaut, wann der erste HR Innovation Day stattgefunden hat. Am 2. Juni 2012 – also auf den Tag genau 6 Jahre vor dem diesjährigen siebten HR Innovation Day.

Christoph, meta HR: Wie jedes Jahr war die Verteilung der Teilnehmer wieder eine gute Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern. Wie unterscheiden sich die Teilnehmer des HR Innovation Day von anderen HR Events?

Peter: Da gibt es schon Unterschiede: Es geht um die Mischung zwischen Studierenden und Alumni auf der einen und der HR-Professionals und Führungskräfte auf der anderen Seite. In den letzten Jahren ist es zudem gelungen, den Anteil „Hochschulfremder“ Teilnehmer auf knapp zwei Drittel zu erhöhen. Mittlerweile kommen die Stamm- und Wechsel-Teilnehmer/innen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus allen Teilbereichen des Personalmanagements bis hin zu Beratern und Führungskräften.

Christoph, meta HR: Nun hast du den HR Innovation Day schon einige Male organisiert. Was war in dieser Zeit Dein persönliches Highlight?

Peter: Schwierig zu sagen, es waren viele Highlights, aber ich erinnere mich mit einer gewissen Genugtuung daran, dass oft Themen diskutiert wurden, die noch nicht en vogue waren. Ohne jemanden vorzuziehen, fällt mir hier Sara Lindemann von viasto ein. Sie präsentierte 2012 erstmals das Thema „Zeitversetzte Interviews“. Auch ist es ein Erfolg, mit Tom Haak einen Keynote-Speaker gewonnen zu haben, der als einer der weltweit führenden Köpfe im Bereich HRtech gilt. Mit Barbara Braehmer als „Sourcing Queen“ und Henrik Zaborowski als dem „Recruiting-Philosophen“ sowie Jo Diercks als „Recrutainer“ sind Partner dabei gewesen, die einen großen Einfluss auf die Studierenden bei der Wahl des Berufseinstiegs hatten. Und nicht zu vergessen: Martin Gaedt, der 2014 im kleinen Rahmen zum „Mythos Fachkräftemangel“ gesprochen und dieses Jahr die Zuhörer/innen beim Thema „Innovationen im Recruiting“ wahrlich mitgerissen hat. Highlight auch, dass wir 2018 zwei internationale Keynotes (Tom Haak und Rebecca Lundin von Celpax) und einen internationalen Workshop (Andras Viczek von OrgMapper) anbieten konnten. Mit dem Thema People Analytics (Daniel Mühlbauer) konnten neue Akzente gesetzt werden. Nicht zuletzt bist auch Du immer ein Highlight, was Du an den Teilnehmerzahlen und dem glänzenden Feedback Deiner Workshops ablesen kannst.

Christoph, meta HR: Oh, danke für die Blumen – es freut zu hören, dass meine Workshops immer wieder gut ankommen. Zurück zum Event: Wie der Name schon verrät, wird der Fokus der Veranstaltung auf Innovation gelegt. Wie viel Innovation braucht die HR Szene – an welchen Stellen besonders?

Peter: Innovationen sind m. E. nicht nur neue Werkzeuge für die Personalarbeit, sondern vielmehr neue Einstellungen, Kenntnisse und Arbeitsweisen, ohne die es in Zukunft keine (erfolgreiche) Personalarbeit geben wird. Viele HR-Fremde stehen bereit, Personal-Aufgaben zu übernehmen, ohne die dafür nötigen Kompetenzen zu besitzen. Personaler müssen sich unbedingt auf Innovationen einlassen und dass dadurch ihre Arbeit digitaler, messbarer und für Außenstehende nachvollziehbarer wird. Vielen gelingt es hier nicht, ihre Stärken als Beziehungs- und Kulturmanager auszuspielen. M. E. liegt dies nicht nur am Aufholbedarf bei digitalen Kompetenzen, sondern häufig auch am fehlenden Mut!

Neue Studie „Recruiter Experience“ – unter Mitwirkung von Prof. Peter M. Wald

>>> In eigener Sache: Zusammen mit Stellenanzeigen.de und mit Prof. Peter M. Wald als wissenschaftlichen Begleiter, führt meta HR aktuell die große „Recruiter Experience Studie“ durch.  Wer im Recruiting arbeitet ist aufgerufen teilzunehmen! Hier geht´s zum Fragebogen! Danke!

Christoph, meta HR: Was siehst Du als derzeit brennendstes Thema der HR Landschaft? Und was wird in den nächsten fünf Jahren das Thema sein, an dem niemand vorbeikommt?

Peter: Die Digitalisierung wird vieles grundlegend ändern. Es wird zu massiven Verschiebungen bei Arbeit und Beschäftigung kommen. Es werden aber weiterhin Menschen sein, die für die Unternehmen gewonnen, eingesetzt und an diese gebunden sowie auch freigesetzt und NEU eingesetzt werden müssen. Es gilt, Arbeitsaufgaben so zu gestalten, dass Menschen diese als positiv ERLEBEN und bei der Arbeit auch Chancen zum Mitentscheiden und zur Weiterentwicklung bekommen. Dabei können Innovationen, wie KI-Lösungen zur Personalauswahl und zum Lernen, neue Werkzeuge zur weiteren Flexibilisierung der Arbeit aber auch analytische Methoden zur Vorbereitung und Fundierung von Personalentscheidungen („People Analytics“) helfen, die Personalarbeit weiter zu professionalisieren. Dabei dürfen aber die Fragen der Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Unternehmen sowie die Kultur des Miteinanders und des Selbstverständnisses nicht auf der Strecke bleiben. Personaler können hier, Fähigkeiten und Mut vorausgesetzt, die Rolle eines Schiedsrichters und Sinngebers übernehmen, der dabei weitgehend auf der Basis klarer Fakten agiert.

Christoph, meta HR: Aus meiner Beobachtung heraus waren die Teilnehmer auch 2018 wieder sehr begeistert. Ich hoffe, auch Du bist zufrieden ;-) Was siehst Du als Ziel des HR Innovation Day? Was soll durch das Event erreicht werden?

Peter: Mir geht es erst einmal um Offenheit, was Innovationen bei Personalmanagement und Führung angeht. Die Teilnehmer/innen sollen nachdenken, welche neuen Aufgaben auf HR zukommen, wie sie damit umgehen können und wie neue Herangehensweisen umgesetzt und neue Werkzeuge eingesetzt werden können. Dabei spielt der Mut zur Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen und die Aufnahme von Nicht-HRlern in die Personalbereiche eine zunehmende Rolle. Der HR Innovation Day soll nicht zuletzt Möglichkeiten zum Vernetzen der Teilnehmer/innen bieten. Deshalb ist seit zwei Jahren auch eine Pre-Party am Vorabend im Programm.

Christoph, meta HR: Last but not least: Wird es einen HR Innovation Day 2019 geben?

Peter: Da bin ich mir zu 99,9% sicher und ich hoffe sehr, dass auch Du wieder dabei bist!

Christoph, meta HR: Immer gern!

 

PS: Dem HR Inno Days kann man übrigens hier auf Twitter folgen!

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