HR auf Marsmission: Mission Control müsst Ihr sein! Beitrag zur DGFP-Blogparade #DGFPc18

Unbekannte Zukunft, unbekannte Welten. Der Aufbruch dorthin, den wir Tag für Tag in Wirtschaft und Gesellschaft ein wenig erleben, kann überspitzt als Marsmission bezeichnet werden. Der DGFP tut dies so und wirft dazu die Frage in den Raum, warum HR mit von der Partie sein sollte!? Eine solche Frage verdient Beantwortung: Die Rolle, das Selbstverständnis und die Beiträge von HR bei der Navigation in eine ungewisse aber spannende Zukunft werden hier entsprechend kurz skizziert. Ich sehe HR dabei nicht im Cockpit des Raumschiffs und ggf. nicht mal direkt an Bord, sondern an anderer, ebenso wichtiger Stelle:
HR – Go for Mission Control!

Dies ist mein Beitrag zur „we dream big“ BlogParade anlässliches des DGFP // congress #DGFPc18 unter dem Motto Navigating the Future.

Guidance… Go!
Booster…Go!
Ignition and Liftoff!
Warum würde HR auf eine Marsmission mitgenommen werden müssen? Diese ungewöhnliche Frage ist der Aufhänger für die Auseinandersetzung mit der Zukunft der Personalfunktion. Ok, nehmen wir das mal ernst. Ich sage: HR ist dabei, wenn sie es wollen, wenn sie es können und wenn sie Mehrwert bringen. Klingt einfach, oder? Naja, teilweise. Gucken wir uns diese Aspekte Stück-für-Stück an:

Wollen
Wo sind die Pioniere in HR, die nach drei missglückten Raketenlandungsversuchen alles auf eine Karte setzen und es nochmal versuchen?“ fragt Harald Schirmer in seinem Beitrag zur HR-Mars-Blogparade. Und weiter im selben Beitrag „Den Schritt in etwas wagen, das sich nicht per ROI (Return on Investment) kalkulieren oder per KPI (Key Performance Indicator) einfach messen lässt?“. Ich muss da im Kontext unserer Mars-Analogie erstmal widersprechen: Raumflüge selbst sind der Inbegriff der Risikominimierung bei etwas was dennoch bis an die Grenze des Existenziellen herausfordernd bleibt. Keine Mission wird stattfinden, wenn die Erfolgsaussichten nicht als sehr, sehr hoch eingeschätzt werden. Da gibt es keinen Han Solo der C3PO den Robotermund verbietet („Sag mir nie wie meine Chancen stehen!“; aus: ´Das Imperium schlägt zurück´). Im Gegenteil: Die Prognose, die Berechnung und die akkurate Planung wie Umsetzung sind essentiell für jeden Raumflug. Doch ich mag den Gedanken des Kollegen Schirmer nicht total verwerfen, denn er hat ja Recht, nur an einer anderen Stelle, wie ich finde. Es braucht den visionären Mut, die Vorstellungs- und Überzeugungskraft ÜBERHAUPT zum MARS FLIEGEN ZU WOLLEN! Da stimmen die zitierten Haltungen selbstverständlich. Insofern stehen am Beginn – lange vor der Ausführung – die passenden, wegweisenden Gedanken! Das MINDSET in HR muss das zulassen, sonst bleibt vom Raumfliegen nichts übrig! Wie sagte John F. Kennedy in seiner berühmten Rede zur Sache:
We choose to go to the Moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard!”
Hier, bei dieser Haltung, bei diesem MINDSET muss HR ansetzen. Dieses Einfordern muss Teil von HR werden. Wer nicht den unbedingten Willen dazu hat, hat auf Mars-Missionen nichts zu suchen! Dafür braucht es Vordenker und Antreiber im HR-Umfeld. Das Mindset ist die Basis – das sieht der geschätzte Kollege Schirmer in seinem Artikel übrigens letztlich sehr ähnlich. Seine zitierten Aussagen machen aber mehr Sinn an der nächsten Stelle – beim Können.

Kennedy Moon Speech (1962), Zitat ab ca. 1:40 Min.

Können
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, heißt es so schön im Volksmund. Wie passend: Vor jeder Raummission steht ein ungeheures Entwicklungs-, Trainings- und Testprogramm. Selbstverständlich werden hier Fehler gemacht. Genau hier und immer wieder – damit das im entscheidenden Moment eben nach aller Möglichkeit nicht mehr passiert! Das gilt auch für unsere Mars-HR. Dem zukunftsfähigen (digitalen) Mindset folgt die Aneignung der (digitalen) Fähigkeiten und Fertigkeiten. Denn HR muss fit genug sein um im richtigen Moment zuverlässig liefern zu können. Kein Experiment mehr – sondern Performance pur. Daher muss HR für sich selbst und als Lern-/ und Sparrings-Partner für die anderen Stakeholder der Mission bereit sein (siehe dazu auch den letzten Abschnitt).
´Oben drüber´ sollte HR-seitig als Meta-Kompetenz das breite Verständnis für das Zusammenwirken der vielen Komponenten einer ambitionierten Space-Mission und den zahlreichen (technologischen) Schnittstellen stehen. Um hier hin zu gelangen braucht es den von Schirmer eingeforderten Experimentiergeist. Das sollte aber immer unter dem Bewusstsein geschehen, dass HR am Ende aus dem Probier- und Trainingsmodus herauskommt und wahre Könnerschaft abrufen kann. Gehen wir vom aktuell eher meist durchschnittlichen Standing der HR-Funktion in den vielen Organisationen aus, ist da noch viel Luft nach oben. HR selbst muss die höchsten Ansprüche an sich selbst haben und nie aufhören besser zu werden – damit nach außen erst recht eine Top-Performance stehen kann. Niemand nimmt HR mit zum Mars, wenn man noch der Meinung ist, dass „Personal ja jeder irgendwie kann“. Daher ist die Entwicklung eines sehr soliden und zukunftsfähigen Skill-Sets für HR essentiell, will man auch für Zukunftsmissionen eingeplant werden bzw. will man die unter „Wollen“ eingeforderten Herausforderungen nicht nur von der Seitenlinie betrachtend anderen überlassen (müssen). Personaler brauchen dafür als Folge des Mindset-Change für sich selbst ein ganz neues Selbstverständnis im Anwenden von Wissen. NASA & Co. haben keine Verwendung für HR, wenn diese von allem ein Bisschen, aber nichts so richtig können. Das eigene, nachgewiesene Können muss auf einem Level entwickelt sein (und weiterentwickelt werden), damit HR auf der Mars-Reise wirksam werden kann, womit wir beim letzten Punkt sind.

Mehrwert
Wo kann HR für die Mars-Reise am besten wirksam werden? Wo den besten Beitrag liefern? Verlassen wir für einen kurzen Moment das Weltall und landen unser Shuttle auf dem grünen Rasen: Im Fussball – einer meiner Lieblings-Analogien – sieht man bei den allermeisten Spielern sehr schnell, wo sie am besten eingesetzt werden sollten. Ein guter Innenverteidiger taugt in aller Regel nicht zum Konterstürmer. Ein quirliger Spielmacher gibt meist nur einen sehr mäßigen Abwehrspieler und ein Torwart im Sturm ist höchstens bei der allerletzten Ecke bei Rückstand eine Option. Lange Rede, kurzer Sinn: Nicht jeder ist auf jeder Position gleich wertvoll. Entsprechend soll sich HR sinnvoll einsortieren.
Aus meiner Sicht ist es zwar einerseits positiv und zu begrüßen, dass HR viel mehr in die Macherrolle gewünscht und geschrieben wird. Das ist schon wichtig um überhaupt mehr (Selbst-)Bewusstsein aufzubauen. Allerdings sollte dabei das Big Picture von Unternehmen (oder auch Mars-Missionen) nicht aus den Augen verloren werden. HR ist und bleibt eine Unternehmensfunktion, welche unterstützend, begleitend und steuernd dem Erfolg im Sinn des Organisationszweckes bestmöglich zuarbeitet. Genauso wie Vertrieb auch nur eine Unternehmensfunktion ist oder Finance. Alle tragen Sie etwas bei. Werden sie professionell, gewinnen sie an Einfluss und haben sie überzeugende Lösungen, dann strahlen einzelne Unternehmensfunktionen in den Rest der Organisation aus und man spricht bspw. von einer kundenorientierten Haltung oder einer Vertriebsorientierung in Summe. Das kann sinnvoll prägen.
Ich unterschreibe sofort, dass ich mir Organisationen wünsche, die das Thema Personal und den Faktor Mensch ins Zentrum stellen –  und egal in welcher Unternehmenseinheit man sich dort bewegt, stets zu spüren ist, dass die Belange von Mitarbeiter/innen – von Menschen bedeutet sind. Um eine solche Strahlkraft für originäre HR-Themen zu erreichen wie Lernen, Personalauswahl oder Kultur, muss HR aus meiner Sicht immer mit am Schaltpult sitzen – aber nicht jede Handlung selber verantworten. Den meisten Mehrwert liefert HR der gesamten Organisation gerade eben dann, wenn ein Spirit der Mitarbeiterorientierung installiert wurde und HR „nur“ noch dabei begleitet diesen Geist in zielführende Aktivitäten zu übersetzen. Gerade dafür muss HR in eine zentrale Rolle und nicht überall die Finger selber dran haben. Recruiting, Lernen, Kultur sind natürlich Themen die HR stets im Blick hat und haben sollte. Doch die eigentlich wertvolle Rolle ist dann gegeben, wenn HR die fruchtbare Kulturvierung jener Themen in der Organisation fördert und leitet und nicht selbst immer den Wagen (die Rakete?) zieht. Dafür ist HR der ideale Übersetzer von Business Strategie in sinnvolles operatives Handeln in Zeiten in denen immer mehr Technik dazu kommt und gerade dennoch das Menschliche und die Kultur eine immer bedeutendere Rolle spielen:
HR kann und sollte monitoren, beraten, begleiten und punktuell auch ausführen. Dazu braucht es Kompetenzen in Analytics- und Data-Insights, Change, Coaching, Orientierungsgebung, Marke, Gruppendynamiken, Kommunikation uvm. Vor allem aber eine unheimliche klare Ausrichtung auf den Missionserfolg – um wieder in Mars-Sprech zurückzukehren. Dafür – und auch im sonstigen Unternehmen – sehe ich den bestmöglichen Mehrwert und die ideale Position von HR im Mission Control!
Hier bestehen zu können braucht es eine sehr enge Verbindung mit der strategischen Abteilung („We choose to go to the Mood… äh… Mars!“) und gleichfalls die kunstvolle und massiv technologieunterstützte Abarbeitung an dieser Vision in Form der einzelnen Mission-Steps. Außerdem auch die Größe, mal hands-off „nur“ zu monitoren und positiv an die Raumfähre rück zu melden, „Kurs stimmt – alle Parameter normal – good job, go on!“. Eine HR die dann wirklich gestaltet und mit Lösungen kommt, wenn es gebraucht wird, sich aber sonst voll dem Missionsziel verschreibt (dabei für spätere Lessons-Learned selbstverständlich schon einmal sammelt). Das wäre aus meiner Sicht der Platz wo HR am besten wirksam wird und im Vorfeld und in der Ausführung eine feste Größe bei der Mars-Mission hat.

Epilog / Landung:
„The Eagle has landed…. check!”
Wie jede Frage kann auch diese HR-on-Mars-Frage in einem Blogbeitrag nur umrissen werden. Vielleicht sind die Antworten aber auch nicht so wichtig, denn, wie schrieb mein lieber Blogger-Kollege Sebastian Hollmann im Rahmen dieser Parade bereits: „Im Digitalen Zeitalter haben wir nicht mehr die Antwort auf alle Fragen – es sind vielmehr die Fragen selbst, die uns weiterbringen.“ Da gehe ich voll mit!

Wer mehr von den HR zum Mars Beiträgen lesen will findet die komplette Übersicht hier beim DGFP.

 

 

Titelbild (edited): Shuttle Mission Control Room CC BY 2.0 by AGeekMom

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