Recruiting Trends 2011. Bekannte Entwicklungen verschärfen sich.

Unternehmen müssen sich beim Thema Recruiting immer stärker veränderten Anforderungen anpassen. Bereits bekannte Trends wie demografischer Wandel oder Digitalisierung von Bewerbungen nehmen klar zu. Das Thema effektive Personalbeschaffung und -bindung ist für nahzu alle Unternehmen brandaktuell.

 

Dies sind zumindest einige der Kernaussagen aus der Arbeitgeberbefragung „Recruiting Trends 2011″, welche vom Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS), den Universitäten Bamberg und Frankfurt/M. und der bekannten Jobbörse Monster unter den 1.000 größten deutschen Unternehmen sowie weiteren Firmen durchgeführt wurde.

Anlässlich des 9.Symposium für Personalverantwortliche am 09. Februar 2011 in Frankfurt wurden die Ergebnisse der Studie „Recruiting Trends 2011“ vorgestellt.  Die bekannten Herausforderungen, welche aktuell für HR-Abteilungen bestehen und sich zum Teil schon 2010 klar andeuteten wurden von den Ergebnissen bestätigt. Neben der erwähnten Studie wurden auch Recruiting Trends speziell für den Mittelstand und eine Studie über aktuelle Bewerbertrends veröffentlicht. Auch diese Studien sind ebenfalls unter der Federführung von Prof. Dr. Tim Weitzel in der Zusammenarbeit der genannten Akteure entstanden. Hier nun einige Highlights aus den Untersuchungen:

 

Trends und Herausforderungen der Rekrutierung 2011

 rec-trends2011_top1000     Quelle: Studie Recruiting-Trends 2011, Management-Zusammenfassung, S.4

 

Wenig überraschend, aber nicht weniger bedeutend: Employer Branding bleibt Nr.1 auf der Liste der Herausforderungen der Unternehmen. Besondere Bedeutung bekommt neben der Gewinnung von neuen Mitarbeitern auch das Halten der bestehenden Belegschaft: Mitarbeiterbindung.

 

Ergänzend zu den dominierenden Trends und Herausforderungen, einige aktuelle Zahlen aus den Studien

 

Fachkräftemangel verschärft sich – Knappheit bei F&E und IT-Kandidaten
Von denen in der Studie „Recruiting Trends 2011“ befragten Unternehmen gaben 36,4 Prozent an, ihre Vakanzen schwer besetzen zu können. Für 4,3 Prozent gilt, dass sie Vakanzen gar nicht besetzen können. Die Engpässe liegen hier besonders bei Kandidaten aus den Bereichen Forschung & Entwicklung sowie IT.
Gleichzeitig geben rund die Hälfte der Befragten Unternehmen an Personal in 2011 aufbauen zu wollen, also am Ende des Jahres eine größere Belegschaft zu haben als zu Beginn. Ein weiterer Faktor für die Verknappung auf dem Personalmarkt.

Bei Stellenausschreibungen und Bewerbung dominiert das Web 
87 Prozent aller freien Stellen werden im Internet auf der eigenen Webseite der Unternehmen veröffentlicht. 61,2 Prozent der Stellenangebote finden Eingang in Internet-Stellenbörsen. Nur noch ca. 20%aller Stellen werden in Print-Medien veröffentlicht.
Ähnlich deutlich fällt entsprechend das Ergebnis bei den tatsächlichen vorgenommenen Einstellungen aus. 71,8%resultieren aus einer Stellenanzeige im Internet (Webseite der Unternehmen und Internet-Stellenbörsen). Dieser Wert ist seit 2003 um 19%gestiegen. Auch finden sehr viel mehr digitale Bewerbungen ihren Weg in die Unternehmen, denn papierbasierte. Lediglich 26,8%aller Bewerbungseingänge liegen als klassische Hardcopy in Form einer Bewerbungsmappe vor. Die Mittelstandsbefragung ergab hier eine deutliche Unterscheidung. Bei den teilnehmenden Mittelständlern ist immerhin noch die knappe Mehrheit von 58,6%aller eingehenden Bewerbungen in Papierform.

Social Media Recruiting ist noch ausbaufähig
Das Recruiting via Social Media Kanäle ist noch ein Minderheitenphänomen unter deutschlands 1000 größten Unternehmen, wenn man der Erhebung glauben darf. So heißt es sazu in der Studie: „Erst 12,7 Prozent aller Studienteilnehmer schalten regelmäßig Stellenanzeigen in Xing. Twitter (7,5 Prozent), Facebook (6,8 Prozent) und LinkedIn (6 Prozent) werden in diesem Zusammenhang etwas seltener genutzt. Des Weiteren greifen 12,9 Prozent der deutschen Großunternehmen zum Zweck der Image-Werbung regelmäßig auf Facebook zurück. 9,2 Prozent nutzen hierfür Twitter und 8,3 Prozent YouTube regelmäßig. In Xing suchen 18 Prozent aller antwortenden Firmen regelmäßig aktiv nach geeigneten Kandidaten, in LinkedIn 6 Prozent. Weiterhin nutzen 21,1 Prozent der Teilnehmer an der Studie Xing regelmäßig, um nach Informationen über bereits identifizierte Kandidaten zu suchen.“

Hohe Wechselbereitschaft auf Arbeitnehmerseite
Auf der Seite der Arbeitnehmer zeichnet sich in den Bewerbertrends eine ausgeprägte Wechselbereitschaft ab. Gut ein Drittel der Befragten plant aktuell einen Arbeitsplatzwechsel. Insgsamt sind sogar 6 von 10 Arbeitnehmern Jobveränderungen noch in diesem Jahr gegenüber aufgeschlossen. Für Unternehmen heißt das wohl Hausaufgaben machen in Sachen Mitarbeiterbindung, Employee Branding und Führungsqualität…

 

Fazit


Sehr deutlich zeigen sich Herausforderungen und Handlungsnotwendigkeiten im Bereich Personalbeschaffung und -bindung. Recruiting wird immer mehr zu einer absolut wettbewerbs-
kritischen Funktion in Unternehmen. Wo das Recruiting versagt, wird nahezu jedes Unternehmen auch Wettbewerbsprobleme bekommen. Durch die starke Wahrnehmung der Trends Demografischer Wandel und Fachkräftemangel seitens der Unternehmen, zeigt die Studie, dass offenbar der Ernst der Lage voll erkannt wurde. Hoffnungsvoll finde ich auch, dass unter den internen Top-Schlüsselherausforderungen neben Employer Branding und Mitarbeiterbindung mit Alignment ein weiteres bedeutendes Thema auf die Agenda gerückt ist. Der Problemdruck an der Rekrutierungsfront schafft so vielleicht eine Situation, welche die Verzahnung und Ausrichtung von HR-Aufgaben mit den diversen Fachabteilungen leichter gelingen lässt, weil die Fachabteilungen nun auch mehr Interesse daran haben (sollten)? Zuminest sehe ich eine gute Chance für die HR in dieser Hinsicht. Themen wie Empfehlungsrecruiting oder authentische Außendarstellung von Fachbereichen lassen sich ohnehin nicht wirklich erfolgreich allein von Personalabteilungen umsetzen.

Obwohl das Thema Social Media Recruiting in den Studien Erwähnung findet und bei den Unternehmen auf der Agenda steht, zeigen doch die Zahlen der Studien, dass das Feld noch nicht wirklich bestellt ist. Von einer breiten Nutzung von sozialen Netzwerken kann (noch) keine Rede sein. Gerade die mittelständischen Unternehmen haben hier noch sehr viel Nachholbedarf. Nun könnte man natürlich entgegen halten, dass ja auch noch viele Bewerber zurückhaltend sind und Unternehmen weit mehr Einstellungen über die eigene (Karriere-)Webseite oder über Jobbörsen generieren. Insofern doch kein Problem, oder? Ich meine nein. Gerade in der jetzigen Phase konnte und kann noch experimentiert werden mit Social Media Recruiting. Einige der großen Unternehmen tun dies erfolgreich und stehen an der Schwelle zur echten Produktivität oder haben diese wie bspw. Bertelsmann schon überschritten. Diesen Vorsprung aufzuholen wird für den Mittelstand immer schwieriger werden. Auch im direkten Vergleich zu anderen Mittelständlern würden first-mover-Erfahrungen gute Wettbewerbspositionen und ausgebaute Social Media Kompetenzen bedeuten. Ich habe erst kürzlich aufgelistet, warum und wie der Mittelstand den Fachkräftemangel entgegentreten sollte. Social Media ist dabei ein fester und wichtiger Baustein. Für den Mittelstand wird es daher m.E. Zeit den Rubikon nun endlich zu überschreiten.

Schlussendlich kann man wohl sagen, dass die bezeichneten Top-Trends und Social Media einen Stein ins Rollen gebracht haben, welcher nicht mehr aufzuhalten ist. Die Frage für die Breite Masse der Unternehmen (Ausnahmen wird es immer geben) ist definitiv nicht mehr ob, sondern wie sich deren Recruiting und deren Human Resource Management ändert. Die Professionalisierung von HR-Funktionen ist in vollem Gange. Genau diese Wahrnehmung teilen die überwiegende Mehrheit der Personaler. Woher ich das weiß? Nun, das Symposium wurde von einer Reihe Personen besucht, welche dankbarerweise via Twitter quasi live von der Veranstaltung berichteten. Obwohl ich im Büro in Berlin war, konnte ich unter dem hashtag #symo auf  Twitter zahlreiche interessante Tweets mitlesen. Einer dieser Tweets von meinem Blogger-Kollegen Jo Diercks vom recrutainment-Blog schließt somit auch diesen Bericht und bestätigt besagte „Der-Stein-rollt-These“…

tweet-jd_rec-trends2011_symo

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusammenfassungen der Studien zumDownload:
Recruiting Trends 2011_Management_Zusammenfassung.pdf
Recruiting Trends Mittelstand 2011 Management Zusammenfassung.pdf
Bewerbungspraxis 2011 Management Zusammenfassung.pdf

Ein Gedanke zu „Recruiting Trends 2011. Bekannte Entwicklungen verschärfen sich.

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