Was die Arbeitswelt von Rockbands lernen kann

Rockbands. Unter einem ungewohnten Blickwinkel kann man sie sich fast wie ein kleines Unternehmen vorstellen, in dem jeder seinen Job liebt und seinen Traum lebt. Nicht zu wissen, wie viele Stunden man in der Woche arbeitet und sich nicht dafür zu interessieren, weil man liebt, was man tut. „Denk’ wie ein Rockstar!“ ist die Botschaft, die der norwegische Trendforscher Ståle Økland den Zuhörern seines Vortrags zuruft. Der Soziologe hat interessante Analogien zwischen Rockbands und der Arbeitswelt gefunden. Hier ein Bericht dazu und das Video seiner Keynote vom letzten Personalmanagementkongress.

 

Økland hat im Rahmen seiner Feldforschungen rund zwei Jahre lang norwegische und internationale Rockbands begleitet. Er hat dabei versucht herauszufinden, was es ist, das die Businesswelt von ihnen lernen kann. Was ist das Geheimnis einer Rockband, in der die Mitglieder dem Team gegenüber nicht nur loyal sind, sondern auch jeden Tag 100% geben, um ihre Kunden bzw. Fans glücklich zu machen? Das Ergebnis: Ihr Arbeitsmodell.

Heutige Arbeitsethik ist anders
Früher waren die Menschen zufrieden, wenn sie überhaupt einen Job hatten, mit dem sie ihre Familie versorgen konnten, wie Øklands Großvater beispielsweise, über welchen der Norweger in seiner Keynote berichtet. Heutzutage, erzählt der Forscher, hätte sich diese Arbeitsethik jedoch geändert. Es sind in erster Linie zu beobachtende Trends – wie beispielsweise der Wunsch nach mehr Flexibilität, Mitverantwortung und Freiheit im Arbeitsumfeld – die dabei eine Rolle spielen. Es geht nicht mehr nur um das bloße Geldverdienen. Vor allem nicht für die junge Fachkräfte. Geld spielt eine Rolle, aber eben nur noch eine unter vielen. Hier ist Økland auf einer Wellenlänge mit vielen Studien zu Gen Y & Co. aus den letzten Jahren. Doch was können Unternehmen in diesem Kontext von Rockbands lernen?

Die Rockband als ideale Synergie
Der Trendforscher bringt es auf den Punkt: Insbesondere junge, qualifizierte Arbeitnehmer wollen an etwas glauben, Teil von etwas Großen werden. Sie brauchen das Gefühl, etwas zu erleben und wollen die Möglichkeit bekommen, sich weiterzuentwickeln. Die Erwartung an Mitarbeiter „länger, härter und smarter“ zu arbeiten, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben, kann nur erfüllt werden, wenn das Arbeitsmodell stimmt. Geld reicht dazu nicht und Zwang schon gar nicht. Daher sind Werte und die Kultur dazu der Schlüssel. In Rockbands hat der Forscher vor allem fünf Kultursettings beobachten können, die zu freiwilligem und erfolgreichen „work hard, longer and smarter“ führen. Er zählt auf: Toleranz, Integrität, Vision, informeller Umgang und Do-it-yourself.

Rockbands streiken nicht
Laut Økland schreiben Rockerbands Werte wie Toleranz und Integrität groß. Diese Werte werden durch das Verhalten im Sinne des besten Ergebnisses („perfekter Sound“, „begeistertes Publikum“) täglich gelebt. Dort, so Økland weiter, gebe es auch üblicherweise keinen Anführer. Offenbar auch etwas, dass sich geändert hat gegenüber früher, man denke nur an große Bandleader der Vergangenheit… Gerade weil es aber keine spürbare Hierarchie gäbe funktioniert es bei den Band, konstatiert der Trendforscher. Jeder kennt seine Rolle, respektiert die Anderen und trägt seinen Teil der Verantwortung. Im Ergebnis sagt Økland, dass Rockbands weder streiken noch krank sind (außer es geht gar nichts mehr, was den worst case bildet: Die Konzertabsage). Gemixt wird dieser Arbeitsethos bei dem das Vorhandensein gleicher Ambitionen und das Zurückstellen eigener Egos quasi automatisch die Teamkultur fördert mit praktischen Elementen des Miteinanders: Einem sehr informellen Umgang untereinander und einem demokratischen Rollenverständnis, bei welchem jeder seinen legitimen Platz hat und haben soll. Økland führt dafür das von ihm erlebte Beispiel an, als er Backstage mit diversen internationen Musikgrößen am Buffet hinten in der Schlange anstehen musste, während Soundtechniker und der Tourbusfahrer zuerst Essen fassen konnten. Und jeder empfand das als völlig normal, weil jede Rolle in und um Rockbands herum intuitiv als wichtig für den Gesamterfolg angenommen wurde. Schließlich wird Konzert einer Band auch nur gemeinsam gut oder eben nicht. Es wird quasi nur gemeinsam gewonnen und auch gemeinsam verloren im Fall der Fälle. Jeder trägt Verantwortung in einer Rockband.

Arbeitgeberattraktivität im Rocker-Check
Betrachtet man die Mehrzahl der Unternehmen durch den Fünf-Punkte-Rocker-Check sieht es für viele nicht besonders gut aus.
Toleranz: Ja klar, als Bekenntnis immer. Aber schauen Sie mal, ob bei Ihnen ein 50+ Bewerber eine Chance bekommt oder Frauen in relevanter Zahl in den Vorstand aufrücken?
Integrität: Wie sehr werden die Leitsätze des Unternehmens wirklich gelebt? Wie sehr steht vor allem die Führung hinter den eigenen Unternehmenswerten?
Vision: Fragen Sie sich doch mal warum es Ihr Unternehmen gibt? Wenn eine Vision existiert: Kennen die Mitarbeiter diese Vision? Ist sie attraktiv im Auge der wichtigsten Talentgruppen? Wird sie proaktiv nach außen kommuniziert?
Informeller Umgang: Krawatte weg ist noch kein Garant für informellen Umgang. Wie informell darf es werden, soll es werden? „Mach-dich-mal-locker“ als Losung bloß weil´s trendy ist, kann auch schnell unauthentisch wirken. Also: Eigenen Weg finden und nicht einfach Google kopieren…
Do-it-yourself-Mentalität: Vermutlich einer der härtesten Brocken für viele Organisationen, stehen sie sich doch gern mit Formalismen und Eitelkeiten von einzelnen Führungskräften selbst im Weg. Dazu kommt, dass man von Belegschaften, welche dezidiert auf Prozesstreue („follow the process“) geeicht wurden, nun nicht binnen Kürze die größte unternehmerische Aktivität erwarten darf.

Fazit: Oft wird es noch viel Kulturwandel brauchen. Das „Arbeitsmodell“ von heutigen Rockbands kann da nur zur weiteren Inspiration dienen.

Worin Rockbands noch als Vorbild für Unternehmen dienen können, was Dezentralisierung und Demokratisierung mit erfolgreicher Mitarbeiterführung zu tun haben, erfährt man hier im Video von Øklands Keynote. Viel Spaß und rock on!

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