Time-to-hire: Bewerbungsprozesse brauchen länger

SanduhrHäufig wird der zunehmende Wettbewerb um die Fachkräfte als Megatrend im Recruiting genannt. Da darf man erwarten, dass Arbeitgeber bemüht sind Bewerbungsverfahren zu verkürzen. Stattdessen aber müssen wir erfahren, dass in vielen Ländern die Dauer von Bewerbungsprozessen zunimmt! Die durchschnittliche Dauer lag in Deutschland im Jahr 2014 bei 28,8 Tagen, über 3 Tage mehr als noch im Jahr 2010. Von diesen Zahlen berichtet das Karriere- und Arbeitgeberbewertungsportal Glassdoor.

 

Die von Glassdoor Economic Research durchgeführte Untersuchung gibt die durchschnittliche Bewerbungsprozesses in Deutschland im Jahr 2014 mit 28,8 Tagen an. Damit wurden über 3 Tage mehr als noch im Jahr 2010 gemessen. Eine ähnliche Entwicklung ist in weiteren europäischen Ländern, Nordamerika und Australien zu beobachten. Der Prozess von der Bewerbung bis zum Jobangebot ist in Deutschland allerdings mehr als 5 Tage länger als der Durchschnitt der westlichen Industrienationen, der nur bei 23,2 Tagen liegt. Damit ist Deutschland nach Frankreich das Land mit den durchschnittlich längsten Prozessdauern. Im Detail schneiden die genauer untersuchten Länder durchschnittlich wie folgt ab:

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Weitere Ergebnisse:

  • Demografischen Merkmale von Stellensuchenden wie Geschlecht, Alter und Bildungsstand haben keine Auswirkungen auf die Dauer des Bewerbungsprozesses
  • KMU und kleinere Mittelständler haben deutlich kürzere Bewerbungsdauern als Konzerne (siehe folgende Grafik)
  • Bei bestimmten Jobprofilen sind durchschnittlich deutlich kürzere Bewerbungsprozessdauern festzustellen. Beispiele: Barkeeper (5,7 Tage) vs. IT-Spezialist (48,1 Tage) vs. Polizist (127,6 Tage).
  • Eingesetzte Interview- und Screening-Methoden haben direkten Einfluss auf die Dauer von Bewerbungsprozessen. Beispielsweise verlängert der Einsatz von Telefoninterviews statistisch den Bewerbungsprozess um 6,8 bis zu 8,2 Tagen. Ein gutes Argument dafür sich im Recruiting mit modernen Methoden auseinander zu setzen, wie z.B. zeitversetze Videointerviews.

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Ursachen für längere Bewerbungsprozessdauer
Keine gute Nachricht für die Candidate Experience von vielen Bewerberinnen und Bewerbern: In allen Ländern besteht der Trend dazu, dass der Bewerbungsprozess seit dem Jahr 2010 um durchschnittlich 3,3 bis 3,7 Tage länger dauert. Glassdoor zieht US-Daten heran um zu erklären, dass dort vor allem vermehrte Background-Checks von Bewerbern und der stärkere Einsatz von Skill-Tests ursächlich für die Prozessverlängerungen sind. In den USA sind zudem auch die zahlreichen Arbeitgebern im Rahmen der Endauswahl der Kandidaten geforderten Drugtests eine Erklärungsgröße. Die letzte Erklärung greift jedoch nicht für die europäischen Länder und es bleibt zu vermuten, dass der häufigere Einsatz von Tests oder Backgroundchecks nicht die einzigen Ursachen für die im Durchschnitt zunehmende Dauer von Bewerbungsprozessen darstellt. Ich selbst vermute hier zumindest was die Situation in Deutschland angeht, dass auch die teilweise nicht mehr zeitgerechte Recruiting-Infrastruktur und häufig personell unterbesetzte HR-Abteilungen wichtige Erklärungsgrößen liefern können. Beweisen kann ich das hier und jetzt natürlich nicht. Was denken Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wo liegen die Ursachen für diese Entwicklung?

Die Studie kann hier bei Glasdoor runtergeladen werden.

 

Titelbild oben CC BY 2.0 by labormikro

 

3 thoughts on “Time-to-hire: Bewerbungsprozesse brauchen länger

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