Facebook als Social Media Kanal zur Personalbeschaffung hoch im Kurs

Zum Employer Branding und zur Rekrutierung von neuen Mitarbeitern entdecken etwa seit dem Jahr 2010 immer mehr Unternehmen auch die sozialen Medien. Facebook spielt dabei als größtes Network eine besonders exponierte Position. Das Interesse vieler Personalabteilungen an Facebook scheint ungebrochen hoch.

 

Laut Ergebnis unserer kleinen Online-Umfrage sind will fast ein Viertel der Unternehmen in den nächsten 12 Monaten eine Facebook-Karrierefanpage einrichten. Rund ein weiteres Fünftel ist bereits mit einer solchen Fanpage in dem Netzwerk aktiv in Sachen Employer Branding bzw. Recruiting. Allerdings sind gaben auch 54,9% der Befragungsteilnehmer an keine Facebook-Karriereseite zur Personalgewinnung zu betreiben (und das auch nicht binnen des nächsten Jahres zu planen).

Die Befragung lief zwischen Ende 2011 und Anfang April 2012 auf unserer Unternehmenshomepage unter metaHR.de. Natürlich sind die Ergebnisse aufgrund des Befragungsmodus mit etwas Vorsicht zu betrachten. Eine grobe Tendenz sollte aber absehbar sein und in der Tat gibt es Parallelen bspw. zur weit umfangreicheren Befragung von Eva Zils, wo 28% der Teilnehmer angaben schon Social Media oder Social Recruiting Tools zu verwenden.

Die Tendenz, dass Facebook als Social Media Kanal zur Personalgewinnung auf zahlreiche Unternehmen einen großen Reiz ausübt, kann ich zudem persönlich aus eigenen Eindrücken und Gesprächen mit HR-Vertretern/-innen unterstreichen. Auch in unseren Social Media Workshops mit Personalern nahm Facebook meist großen Raum ein.

Natürlich ist Facebook ein spannender Kanal mit theoretisch riesiger Reichweite und vielen Interessanten Möglichkeiten zur Nutzung, auch gerade seit Einführung der sog. Chronik. Außerdem erwarten die aktuellen Absolventenjahrgänge mehrheitlich, dass ein Arbeitgeber auf Facebook präsent ist (lt. Potentialpark OTaC Study 2012 sagen das 58% der Studenten).

Ein Facebook-Karriereauftritt ist also seitens eines Unternehmens somit auch Teil eines Statements, eines Modernitätsversprechens gegenüber der Generation Y. Natürlich ist das pure Dabeisein auf Facebook nicht viel wert, kann sogar ins Gegenteil kippen, wenn keine oder schlechte Contents vorhanden sind, bzw. die Seite keine Aktualität oder Relevanz aufweist. Ohne eine vernünftige Social Media Recruiting Strategie worin Facebook i.d.R. ein Teil sein dürfte, kommen aber nicht die gewünschten Resultate ans Licht.

Letztlich sollten Personalabteilungen und Recruiter nicht vergessen, dass Facebook bei allen Möglichkeiten auch Einschränkungen bedeutet und sie sich de facto dem Wohl von Herrn Zuckerberg aussetzen. Ein wichtiger Baustein im Recruiting 2.0 Geflecht des Unternehmens kann die Facebook Karriereseite sehr wohl sein. Die Zentrale aber, der HUB für die sozialen Recruitment Aktivitäten, sollte vielleicht doch besser ein eigenes Karriereblog bzw. die Karrierewebseite sein/ bleiben. Bei aller Attraktivität von Facebook. Dieser Aspekt ist allemal nachdenkenswert. 10 Gründe warum ein Corporate Blog besser ist als eine Facebook-Seite ist sind hier illustriert.

 

Fazit:
Facebook ist ohne Frage eine wichtige Säule im Social Media Recruiting und insbesondere fürs Employer Branding im Web. Aber: Als Stand-alone-Lösung ist es fürs Recruiting 2.0 zu wenig. Außerdem bedarf es einer strategischen Planung und nachhaltigen Umsetzung der unternehmensweiten HR Social Media Aktivitäten.

Sind Sie Bewerber oder Personaler?

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Facebook-Karrierewebseiten? Haben Sie schon mal auf einer kommuniziert? Sind Sie Fan von solchen Pages? Was mögen Sie daran, was nicht?

Ich bin gespannt…

 

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9 Gedanken zu „Facebook als Social Media Kanal zur Personalbeschaffung hoch im Kurs

  1. personalmarketing2null

    Die Dominanz von Facebook ist wirklich nicht mehr weg zu diskutieren. Ob das nun positiv ist, lasse ich mal offen :-).
    Letztendlich bringen all diese ganzen Arbeitgeberpräsenzen gar nichts, wenn man das Engagement nicht nachhaltig betreibt. Und da kann leider gar nicht die Rede von sein. Ein paar Beispiele? In den letzten vier Wochen wurde auf 17 (!) dieser 232 Seiten, die auf http://facebook.com/karriere.fanpages gelistet werden, von Unternehmensseite NICHT EIN EINZIGER Beitrag gepostet. Auf 24 Seiten wiederum wurde nicht ein einziger Artikel „geliked“. Und auf 63 Seiten (!) konnten die erstellten Beiträge nicht einen einzigen Kommentar verzeichnen.
    Man sieht also, da ist noch viel Luft nach oben. Und wenn Unternehmen es nicht leisten können, die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen, die ein entsprechendes Engagement neben viel Leidenschaft und Herzblut nun einmal verlangt, so sollten sie besser die Finger davon lassen.
    In diesem Sinne, schöne Grüße nach Berlin,
    Henner

  2. Fred

    Ist das erste Mal dass Ich davon höre. Bis jetzt habe Ich immer nur gehört dass Arbeitgeber die Facebookaktivitäten von Bewerbern untersuchen um zu sehen mit Wem Sie es zu tun haben. Wenn man sich dort bewirbt wissen Sie dann auch gleich unter welchem Namen man dort aktiv ist und irgendwas wird man wohl schon einmal geschrieben haben Das Ihnen nicht gefällt.

  3. Christoph Athanas

    @Henner
    ja, die ganzen verwaisten Karriereseiten auf Facebook sprechen natürlich eine eindeutige Sprache. Traurig aber gut, dass Du es auch in Zahlen dokumentierst (danke für den Link).
    Ich denke wir sprechen da die selbe Sprache: Unternehmen sollten erst eine entsprechende Social Media Strategie haben und die dann NACHHALTIG umsetzen, was selbstredend personelle Resourcen einschließt. Sind Unternehmen nicht bereit dies zu tun, dann sollten sie lieber die Finger lassen von Facebook & Co.

    @Fred
    Meiner Erfahrung nach nutzen die Personalabteilungen in Deutschland FB verhältnismäßig wenig zur Recherche über Bewerber. Insbesondere der Faktor Zeit spielt da eine Rolle. Außerdem gibt es privacy Einstellungen und jeder User ist selbst veranwortlich, was er/sie ins soziale Netz stellt (Partyfotos etc.). Also ich schlage vor: Nicht nur das potentiell Negative daran sehen, ok?

  4. Christoph Athanas

    @Nicole Ludwig
    Ja, natürlich hat Facebook unter funktionalen Aspekten immer noch seine Ecken und Kanten (wobei mit der Chronik m.E. auch einige neue interessante Features hinzugekommen sind). Andererseits hat es aber Stand 05-2012 rd. 900 Mio. Nutzerprofile weltweit und damit eine potentiell fantastische Reichweite. Und wo bereits viele Nutzer sind ist es grundsätzlich einfacher diese „abzuholen“ (Stichwort user convenience). Das ist m.E. nicht zu unterschätzen. Facebook sollte daher ggf. eben EIN Teil einer Talentgewinnungs- und -bindungsstrategie sein. Stand alone ist aber nicht.

  5. Marco De Micheli Redaktor HR-Blog

    Spricht man bei Facebook auf Stellenangebote an? Das bezweifle ich. Der Hauptgrund liegt im unpassenden Werbeumfeld, denn wer kommuniziert schenkt Werbung, auch wenn es Recruiting ist, wohl einfach zu wenig Beachtung. Doch es gibt auch sachliche Gründe, die Eignung und Leistungsfähigkeit von Facebook für das Recruiting anzuzweifeln und kritisch zu betrachten. Beurteilt man Medien als geeignete Rekrutierungskanäle, gelten als wichtigste Kriterien die Zielgruppe und das redaktionelle bzw. inhaltliche Umfeld.

    Zielgruppen von Facebook sind vorwiegend Private, welche das Netzwerk auch für private Zwecke nutzen – und eine exakte Ausrichtung auf genaue Kandidatenprofile ist daher nur schwer und oft gar nicht möglich, denn Facebook ist ein Massen-Netzwerk ohne klares Nutzerprofil. Diese Ausrichtung auf Private belegen auch die kürzlich eingeführten Neuerungen.

  6. Christoph Athanas

    Hallo Marco de Micheli,
    in dem Artikel hier stelle ich dar, dass Facebook seinen Platz im Mix der Medien welche für die Personalbeschaffung genutzt werden zusehends einnimmt. Ein Netzwerk, wo knapp eine Milliarde Mitglieder hat ist in jedem Fall relevant. Recruiting ist im übrigen viel weiter gefasst zu verstehen, als nur das Stellenangebot. Angefangen von der Weitwirkung im Rahmen von Arbeitgebermarkenkommunikation (Employer Branding) über konkrete Personalmarketing-Kampagnen und -Aktivitäten, bis hin zur einzelenen Stellenbesetzung. Erst im letzten Schritt ist Facebook ein nur bedingt geeignetes Umfeld. Sehr gut hingegen eigenet es sich für Employer Branding und Personalmarketing. Punktuell kann sogar eine gezielte Werbung für einzelne offene Stellen und deren Besetzung via Facebook gelingen. Aber da fehlt es zum einen gelegentlich noch an Kreativität bei den HR-Verantwortlichen und vor allem: Darauf ist ein Facebook-Karriereauftritt i.d.R. nicht primär ausgericht (sondern auf EB und Personalmarketing).

    Sie liegen übrigens falsch in der Annahme, dass Facebook nur als privates Netzwerk für private Zwecke dient. Diese Annahme ist überholt. Ein paar hundert Karrierefanpages von deutschsprachigen Unternehmen, viele davon mit über vierstelligen Fan-Zahlen sprechen eine andere Sprache.
    Wie Facebook durch die User genutzt wird, differenziert sich aus. Das „nur privat“ ist dank Privacy-Einstellungen (wenn die auch manchmal etwas kompliziert sind) und den Neuerungen (Chronik) eben nur mehr eine Option auf FB. Die Chronik wird von Unternehmen übrigens auch sehr schön zum Storytelling im Rahmen ihres Employer Brandings genutzt. Gerade die von Ihnen herangezogenen Neuerungen (Chonik) sind gerade KEIN Belge für die Ausrichtung auf Private, sondern für differenzierte Nutzungsmöglichkeiten für versch. Usergruppen. Daher: Sorry, aber da liegen Sie ganz falsch.

    Beste Grüße.

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