Sieben sichere Wege KEIN Erfolg im Social Media Recruiting zu haben

Social Media RecruitingEine paradoxe Intervention in Bezug auf ein aktuelles Trend-Thema im Recruiting.

 

Wer sich als Unternehmen in sozialen Medien auf die Suche nach neuen Mitarbeitern und Fachkräften macht, begibt sich in ein relativ neues Areal für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting. Doch das ist mittlerweile keine Rechtfertigung mehr für halbgare Lösungen. Die Zeit der Experimente und des voreiligen Hype ist vorbei. Es gibt bereits eine Reihe guter Erfahrungswerte und Best-Practices. Vor allem aber gibt es ein paar eindeutige Erkenntnisse darüber wie man sich aus HR-Perspektive Social Media besser nicht nähert, welche Fehler es also unbedingt zu vermeiden gilt.

Bitte entscheiden Sie sich also jetzt: Machen Sie es richtig oder nehmen Sie die folgenden
sieben Hinweise ernst und scheitern Sie wenigsten im ganz großen Stil…

1) Die kurzfristige Perspektive einnehmen
Strategische Vorarbeit? Langfristige Zielsetzung? Aufbau der eigenen Arbeitgebermarke oder klare Bezugnahme darauf? Pappalapapp…
Lieber schnell mal ein paar Accounts in den üblichen sozialen Netzen anlegen und auf geht´s! Und wenn´s nicht gleich im Monat darauf läuft, einfach ein paar Facebook-Fans kaufen. Sollte es dann immer noch nicht wie gewünscht wollen, hängen Sie das Ganze eben wieder an den Nagel. Und dann fühlen sich bestätigt, denn insgeheim wussten Sie es ja schon immer, dass das nur ein Hype ist und sowieso nicht funktioniert…

2) Auf die typischen Werbebotschaften setzen
Social Media hin oder her. Am Ende werden sich ja doch viele Ihren fantastischen Werbebotschaften ergeben. Schließlich hat Ihnen Ihre Werbeagentur für diese Kampagne gerade soooo viel Geld abgeköpft. Das muss ja gut sein. Von wegen Zuhören und Dialog!? Authentizität kostet doch nur Zeit. Und als wenn die Bewerber wüssten, was gut für Sie ist. Nein, Sie bleiben besser beim Monolog, denn so wissen Sie sicher, dass Sie die Kontrolle über Ihre Botschaften haben. Und wenn´s nicht verstanden wird, sind halt die Jobsucher nicht intelligent genug für Ihre Message… na ja, solche Mitarbeiter braucht Ihr Unternehmen natürlich eh nicht.

3) Bloß keine Transparenz
Moment mal? In sozialen Netzwerken wollen Menschen mit Menschen kommunizieren? Na aber nicht mit Ihren Personalern! Die personalisierten Kontaktdaten vielleicht noch rausgeben? Da könnte ja jeder einfach so anrufen oder mailen und Fragen stellen. Nein, keinesfalls! Bei Ihnen wird der Kommunikationsprozess ganz streng zentral strukturiert. Am besten setzen Sie in Social Media Netzen gleich auf erfundene Identitäten und Avatare. Damit sind Sie auch endgültig sicher vor Abwerbungen…

4) Die HR macht das schon allein
Sie forcieren den Sololauf Ihrer HR. Die sind doch schließlich für das Recruiting verantwortlich. Dann sollen die sich auch mit Social Media beschäftigen. Fachabteilungen und Führungskräfte einbinden? Wie bitte? Die haben keine Zeit für so was und in sozialen Netzen sollen die sich auch nicht tummeln, sondern arbeiten. Also: Bei Ihnen macht die HR das schon allein…

5) Die HR-Praktikantin wird´s schon richten
Social Media kostet doch eigentlich nichts, oder? Schließlich sind Facebook- und Twitteraccounts doch kostenfrei zu haben. Na also. Wenn das so ist und sich die jungen Leute ohnehin viel besser mit diesen Medien auskennen, dann kann das doch auch die Praktikantin aus der Personalabteilung nebenbei machen. Auf zur „Praktikantenlösung“, die ist so schön günstig…

6) Kommando…“Zweinull – Marsch, Marsch!“
Jetzt geht´s los. Ihr Unternehmen ist jetzt voll dabei. So richtig „zweinull“. Da muss jetzt auch jeder mitmachen. Die sollen sich nicht so haben, die Mitarbeiter. Eine grandiose Arbeitgeberbewertung bei kununu muss schon drin sein, oder? Schließlich zahlen Sie den Mitarbeitern auch immer pünktlich die Gehälter. Da ist ein bisschen digitale Dankbarkeit doch wirklich nicht zuviel verlangt. Aber sonst bleiben soziale Netzwerke während der Arbeitszeit besser gesperrt. Und das alles wird streng kontrolliert, denn auf Freiwilligkeit kann sich Ihr Unternehmen nicht verlassen. Schließlich befinden Sie sich im Krieg – um die Talente…

7) Für Kennzahlen haben Sie keine Zeit…
Eigentlich soll doch das neue Personal im Social Web so nebenbei gewonnen werden. Ihre HR-Praktikantin gibt ja nun auch wirklich Vollgas. Da bleibt dann leider auch keine Zeit mehr dafür spezifische Kennzahlen für Ihre HR-Aktivitäten im Social Media zu definieren, bzw. erst recht nicht diese zu erheben und auszuwerten. Nein, Ihre Personalabteilung betreibt das ganze Thema Social Media Recruiting mehr aus der olympischen Dabei-sein-ist-alles-Perspektive. Manche sehr skeptische Betrachter mögen das als Blindflug bezeichnen, aber Sie wissen genau: Kreativität braucht ihren Raum und das mit dem Controlling kommt dann später, wenn es alles irgendwann läuft…

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Satiremodus OFF und noch ein Hinweis in eigener Sache:
Wenn Sie sich dafür interessieren, wie sich soziale Netzwerke für Human Resources Belange nutzen lassen und wie Sie Fehler und Fallen beim Einstieg ins Social Media Recruiting vermeiden können, dann schauen Sie doch in einer unserer Veranstaltungen rein: Hier gibt es die Infos zum praktischen Social Media Einstieg für HR.

3 thoughts on “Sieben sichere Wege KEIN Erfolg im Social Media Recruiting zu haben

  1. Eric

    Am besliebtesten ist wohl Tipp Nr. 5. Wobei das Problem im Kern eher daran liegt, dass man nur die ohnehin zur Verfügung stehenden Inhalte veröffentlichen will. Copy-Paste kann auch die Praktikantin, da haben die Entscheider sogar recht. Wenn man dazu übergehen würde hochwertige neu erstellte Inhalte zu veröffentlichen, so könnte sich dieser Tatbestnad ändern

  2. Helge Weinberg

    Die Tipps sind eigentlich alle gut und die werden auch gerne befolgt. „Meine Leute sollen nicht auf Facebook rumsurfen, sondern arbeiten“, das habe ich im O-ton von einem Abteilungsleiter auf einem Vortrag gehört. Auch das Modell „Werbeagentur gestaltet den total originellen Facebook-Auftritt“ kommt immer wieder gut an. Strategie in der HR-Kommunikation? Warum das denn? Spontan kommunizieren, am besten die Inhalte der Website per copy & paste auf die Facebook-Page übertragen – und natürlich die Pressemitteilungen und Stellenanzeigen nicht vergessen. Und schon läuft das Ganze ;-)

  3. Marco

    Gute und lustige Tipps. Mich interessiert, ob sich mit Social HR überhaupt Erfolge feiern lassen. Wenn ich zum Beispiel auf den Bereich Social Shopping blicke, muss ich feststellen, dass sich da kaum jemand für erwärmen kann.

    => „Ich bin auf Facebook, um mit Freunden zu chatten und nicht zum Einkaufen“. Das Wort „Einkaufen“ könnte man möglicherweise(?) auch durch „Job finden“ ersetzen.

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