Verbesserte Employee Experience durch Mitarbeiter-Fahrgemeinschaften: Albert Vogl-Bader von Carployee im Interview

Der Markt für HR-Startups boomt.
Neben Recruiting-Lösungen gibt es auch zahlreiche Anwendungen, die z.B. bei den Themen Mitarbeiterbindung und Employer Branding helfen. Denn nach der Candidate Experience muss anschließend die Employee Experience möglichst positiv gestaltet werden. Eine dieser Apps ist Carployee. Sie hilft Unternehmen dabei Fahrgemeinschaften für ihre Mitarbeiter zu organisieren. Carployee ging soeben als einer der diesjährigen Gewinner der Initiative „Innovation 2 Company“ hervor, einer internationalen Startup Challenge der Wirtschaftskammer Wien. Das habe ich zum Anlass genommen, mich mit Albert Vogl-Bader, einem der drei Gründer, zu unterhalten.

Recruiting ist bei vielen Unternehmen ein wunder Punkt. Auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter wird dann der Fokus gelegt. Doch auch bestehende Mitarbeiter wünschen sich mehr Anreize von ihrem Arbeitgeber. Eine Option ist es, den Arbeitsweg zu erleichtern, gerade bei Arbeitgebern, die nicht in Citylagen residieren und keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel haben. Um sowohl die Pendler als auch die Umwelt zu entlasten, gibt es nun die Möglichkeit für Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine maßgeschneiderte App anzubieten. Mehr darüber erzählt Albert Vogl-Bader im Interview.


Christoph Athanas, meta HR: Hallo Albert, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem ersten Platz bei der „Innovation 2 Company“! Ihr konntet euch in einer der Challenges gegen drei weitere Finalisten durchsetzen. Kannst du uns zum Einstieg erzählen, was Carployee genau macht und wer dahinter steht? Wieso habt ihr euch entschlossen ein Startup im HR-Bereich zu gründen?

Albert Vogl-Bader, Co-Founder von Carployee

Albert Vogl-Bader, Carployee:
Hallo Christoph, vielen Dank! Wir freuen uns schon sehr auf das gemeinsame Wirken in der gewonnenen Kooperation mit Mercer. Carployee ist im Bereich der Mitarbeitermobilität für den täglichen Arbeitsweg angesiedelt. Das Ziel ist, mit möglichst wenigen Autos eine große Anzahl an Arbeitnehmern zum Arbeitsplatz zu bringen. Dazu bieten wir Unternehmen und Businessparks eine White-Label-Anwendung an, die für Arbeitnehmer durch intelligente Algorithmen optimale Fahrgemeinschaften über eine Mobile App bildet. Dadurch entstehen für Unternehmen, Arbeitnehmer und Umwelt Vorteile.

Die Idee entstand aus dem Problem der täglichen Verkehrssituation. Wir haben bemerkt, dass in fast jedem Auto nur der Fahrer/die Fahrerin sitzt, also der Besetzungsgrad im Individualverkehr extrem ineffizient ist. Die Folgen dieser Situation betreffen vor allem Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit fehlenden Parkflächen, Stress und dadurch Demotivation aber auch die Umwelt (CO2-Ausstoß). Befragungen erläutern außerdem, dass viele Menschen das Pendeln stressiger finden als ihre eigentliche Arbeit. Das zeigt die enge Beziehung von Carployee zum HR-Bereich.

Dahinter steht ein Co-founding-Team von drei Personen: Gernot Panholzer als CPO, der seine Stärken sowohl in UX und UI als auch in der Frontend-Programmierung ausspielt; Moritz Wenko als CTO, Profi in Datenbank- und Backend-Entwicklungen; und ich als CEO mit Schwerpunkt Vertrieb und Marketing. Gemeinsam haben wir bereits Erfahrung im Aufbau von Software und Apps. Unterstützt werden wir von Experten in den Bereichen Human Resources und Digitalisierung.

Christoph, meta HR: Das klingt sehr spannend, da habt ihr offenbar eine Nische entdeckt. Welche Vorteile bringt es denn für Arbeitgeber, wenn ihre Mitarbeiter Fahrgemeinschaften gründen? Warum sollten sie ihren Arbeitnehmern diese Möglichkeit bieten?

Albert, Carployee: Mit Carployee entsteht eine Win-Win-Situation, wodurch sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer in unterschiedlichen Formen profitieren. Der erste Punkt ist ganz klar der finanzielle Vorteil für Unternehmen – neu benötigte oder gemietete Parkflächen verursachen Kosten. Carployee bietet dafür eine Alternative. Für HR-Abteilungen noch entscheidender sind zum Ersten Employer Branding, das mit unserer Lösung entsteht, indem wir eine zusätzliche Transportmöglichkeit zum Unternehmen bieten. Viele junge Leute möchten auf Autos und Führerschein verzichten. Speziell Unternehmen in entlegenen Gegenden könnten so den Pendlern den Weg erleichtern. Zum Zweiten ist für Arbeitgeber unserer Zielgruppe die informelle Kommunikation unter Kollegen – auch über Hierarchien hinweg – sehr wichtig. Diesen Benefit bieten wir, ohne die Arbeitszeit zu verringern. Wir arbeiten daran, auch gezielten Wissens- und Informationstransfer über den Pendelweg zu ermöglichen. Es kann natürlich vorkommen, dass sich Kollegen nicht perfekt verstehen. Die Auswahl ob und mit wem man mitfährt bzw. wen man mitnimmt, bleibt den Nutzern überlassen. Als abschließenden großen Mehrwert bieten wir für CSR-Initiativen in Unternehmen eine Basis für den Nachhaltigkeitsbericht der Arbeitgeber an. Mit der Effizienzsteigerung des Pendlerverkehrs entsteht eine hohe CO2-Reduktion, die von uns gemessen und Unternehmen zugerechnet werden kann.

Christoph, meta HR: Das sind ja einige interessante Aspekte für Arbeitgeber. Was würdest Du sagen, für welche Unternehmen eignet sich der Einsatz von Carployee besonders?

Albert, Carployee: Sinnvoll ist Carployee für Unternehmen mit einer großen Anzahl an Pendlern im motorisierten Individualverkehr. Damit genügend Matchings zwischen den Kollegen zustande kommen, empfehlen wir eine Anzahl von 250+ Nutzern. On top ist natürlich die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes und die Parkplatzsituation ein Thema.

Christoph, meta HR: Was haben auf der anderen Seite die Fahrer bzw. Mitfahrer – also die Arbeitnehmer – davon, dieses Angebot zu nutzen?

Albert, Carployee: Sie werden vom Unternehmen für die Nutzung mit Blättern bzw. Punkten belohnt. Das ist so aufgeschlüsselt, dass fahrende Nutzer mehr Blätter sammeln, je mehr Personen sie mitnehmen. Diese Blätter können für unternehmensindividuelle Goodies wie Tankgutscheine, Essensgutscheine, zusätzliche Urlaubstage oder Freistunden eingetauscht werden. Mitfahrer profitieren von erheblichen Einsparungen der Sprit- und Parkkosten, können die Pendelzeit sinnvoll nutzen und insgesamt wird ein positiver Beitrag zum Umweltschutz geleistet.

Christoph, meta HR: Ihr seid eine White-Label-Lösung. Was bedeutet das in der Umsetzung für die Unternehmen? Welchen Part übernehmt ihr?

Albert, Carployee: Carployee ist eine B2B2E-Lösung (Business to Business to Employee), also sind Arbeitgeber unsere Kunden und deren Arbeitnehmer unsere User. White-Label bedeutet in unserem Fall, dass es für das Unternehmen einen oder mehrere fixe Standorte als Ziel einer jeden Fahrgemeinschaft gibt. Wir führen in der aktuellen Phase im Rahmen einer drei- bis sechsmonatigen Onboarding-Phase Feedbackrunden mit Nutzern durch und passen unsere Lösung an die Bedürfnisse im Unternehmen an. Das macht es für Arbeitgeber auch spannend, jetzt Kunde zu werden und die Anpassungen mitzugestalten. Mit steigendem Erkenntnisgewinn wird die Onboarding-Phase kürzer und wir können erprobte Modelle anbieten.

Christoph, meta HR: Wie siehst Du die Rolle von Mitarbeiter-Benefits im Arbeitsalltag der Arbeitnehmer? Welche Leistungen des Arbeitgebers sind deiner Meinung nach besonders wichtig?

Albert, Carployee: Bei Unternehmen in unserer Zielgruppe ist das Thema Employee Experience ganz stark vertreten. Dazu zählen Benefits und finanzielle Belohnungen in verschiedenen Formen. Ziel ist es, die Unternehmenskultur und Mitarbeitermotivation durch Benefits zu verbessern – im „war of talents“ will man die besten Mitarbeiter ins Unternehmen holen und auch behalten. Das Arbeitsumfeld soll eine Atmosphäre bieten, in der die Leute produktiv arbeiten wollen. Um diese Bedingungen zu liefern, ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu kennen und darauf einzugehen. Die Leistungen sollten dann an die Bedürfnisse angepasst werden. Welche Leistungen das genau sind, wird dadurch sehr unternehmensspezifisch und individuell. Beispielsweise gibt es Mitarbeiter, die den Wunsch haben in unterschiedlichen Unternehmensbereichen zu arbeiten, Stichwort „Job Rotation“. Andere wiederum bevorzugen eine stabile Position und Rolle im Unternehmen. Wie eingangs erwähnt, ist oft der Weg zur Arbeit stressiger als die Arbeit selbst, deshalb setzen Unternehmen auch in diesem Bereich an. Ein gezieltes Mobilitätsmanagement ist für moderne Unternehmen nicht mehr wegzudenken und unterstützt bei der Entdeckung weiterer Mitarbeiter-Benefits sowie Einsparpotentiale.

Christoph, meta HR: Danke für das nette Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

 

Über meinen Gesprächspartner: Albert Vogl-Bader (rechts) ist einer der drei Gründer von Carployee. Gemeinsam mit Gernot Panholzer (links) und Moritz Wenko (Mitte) hat er das Startup Anfang 2018 gegründet.

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