Was Arbeitnehmer wünschen: Ergebnisse aus der Studie „Jobzufriedenheit 2017“

Wie zufrieden sind deutsche Arbeitnehmer? Wie gefallen ihnen die Arbeitsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber? Was sind Gründe für den Jobwechsel? Diese und weitere Fragen sind Kernthemen der Studie „Jobzufriedenheit 2017“ aus den Reihen der ManpowerGroup.
Brisant: 46% der Befragten wollen in den nächsten 12 Monaten den Job wechseln. Hier einige Highlights aus der Studie.

 

Die repräsentative Studie wurde Anfang des Jahres erstellt und dafür wurden 1018 Arbeitnehmer vom Marktforschungsinstitut Toluna befragt. Die Ergebnisse bestätigen in weiten Teilen erneut die bekannten wichtigen Handlungsfelder für Unternehmen, insbesondere das Thema Führungsqualität und flexible Arbeitsbedingungen.

Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und die Motivation für den Jobwechsel
Mehr als die Hälfte der im Rahmen der Studie befragten Teilnehmer sind mit ihrem Job zufrieden. 55% lobten die Arbeitsbedingungen. Das ist der höchste gemessene Wert seit Beginn der jährlich erscheinenden Studie im Jahr 2013. Als häufigste Gründe für die Zufriedenheit wurden faire Bezahlung (51 %) und die Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeiten genannt.
Gleichzeitig gaben 46 Prozent der Angestellten in Deutschland an, sie würden ihren Job in den nächsten zwölf Monaten wechseln wollen. Hauptmotivation für einen Jobwechsel: Eine Position mit besserer Bezahlung (23 Prozent). Hier zeigt sich ganz offenbar, dass sich die Arbeitnehmer durch Arbeitgeberwechsel und den damit verbundenen Einkommensschub ihren Teil vom Aufschwung holen. Bei weiter guter Konjunktur dürfte dieser Trend anhalten. Daher sollten Arbeitgeber, welche für ihre Branche unterdurchschnittlich bezahlen jene Strategie überdenken.
Weitere wichtige Gründe für einen Wechselwunsch sind laut Studie: Fehlende Anerkennung für die erbrachten Leistungen ist für 17 Prozent der entscheidende Faktor um sich eine neue Anstellung zu suchen. 14 Prozent beklagen ein schlechtes Arbeitsklima

Führungsqualität: Wertschätzung durch Vorgesetzte als Schlüssel
„Vorgesetzte können vor allem durch Wertschätzung, ehrliches Feedback und Interesse am Menschen die Jobzufriedenheit ihrer Mitarbeiter steigern.“ So lautet die zentrale Handlungsempfehlung der Studie, um das Arbeitsklima und die persönliche Situation seiner Mitarbeiter zu verbessern. Denn gefragt nach den wichtigsten Verhaltensweisen des direkten Vorgesetzten stachen drei Punkte deutlich heraus:

  1. Das Aussprechen von Wertschätzung. Für 49 Prozent ist es elementar für die Zufriedenheit im Job Anerkennung für die geleistete Arbeit von seinem Vorgesetzten zu erhalten.
  2. Ein regelmäßiges und vor allem ehrliches Feedback finden 49 Prozent sehr wichtig und weitere 42 Prozent wichtig.
  3. Mitarbeiter wünschen sich nicht nur für ihre Arbeit wahrgenommen zu werden. 42 Prozent sagten, ihnen sei es sehr wichtig, dass ihr direkter Vorgesetzter sich für sie als Mensch interessiert.

Eine entsprechende Gesprächs- und Feedbackkultur kann also maßgeblich für die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter beitragen. Ein gutes Klima nützt letztlich Unternehmen und Angestellten gleichermaßen.

Pro Familie? Nicht alle Unternehmen sehen das so, aber es werden mehr
In der Tendenz werden deutsche Unternehmen immer familienfreundlicher. 33% aller Arbeitnehmer stimmen dieser Aussage zu. Eine „Pro Familien Haltung” entwickelt sich in vielen Firmen und es ist ein deutliches Bemühen zu erkennen Beruf und Familie besser miteinander in Einklang zu bringen.
Die Zustimmungswerte zu einer positiven Bewertung der Familienfreundlichkeit zeigen einen klaren Trend nach oben. Lag der Wert 2015 noch bei 25%, ist er in den letzten zwei Jahren um acht Prozent gestiegen. In den Vorstandsetagen scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass sich ein Umdenken bei diesem Thema positiv auf Motivation und Leistung der eigenen Mitarbeiter auswirkt. Arbeitgeber gehen vermehrt auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein und versuchen durch Angebote die Vereinbarkeit von Job und Familie zu verbessern. So gibt es Fortschritte bei flexiblen Arbeitszeitmodellen. Diese werden inzwischen von 39 Prozent der Arbeitgeber angeboten. Fast die Hälfte bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten. Und ein Drittel bietet die Chance zwischen Teil- und Vollzeitstelle zu wechseln. Ein weiterer Grund für die gute Entwicklung ist der Trend zum Home Office. Hatten vor zwei Jahren lediglich 13 Prozent aller Mitarbeiter diese Option, sind es inzwischen bereits 23 Prozent. Trotzdem gibt es noch reichlich Luft nach oben. Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten oder passende Wiedereingliederungsangebote sind nach wie vor kein Standard in deutschen Unternehmen, bzw. wenn vorhanden oft noch ausbaufähig. Das jeder 10.Arbeitnehmer den aktuellen Arbeitgeber für ein familienfreundlicheres Unternehmen verlassen würde, sollte Antrieb für einen intensiven Umgang mit diesem Thema sein. Deshalb bemühen sich viele Unternehmen zusehends entsprechende Angebote bereitzustellen. Im Wettbewerb um begehrte Fachkräfte und Talente kann u.a. eine familienfreundliche Unternehmenspolitik helfen, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen. Dennoch haben viele Arbeitgeber noch einen recht weiten Weg vor sich.

Link zur Studie bei der ManpowerGroup.

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Ein Gedanke zu „Was Arbeitnehmer wünschen: Ergebnisse aus der Studie „Jobzufriedenheit 2017“

  1. Markus

    Es stimmt, Familie und Arbeit lassen sich oft nur schwer vereinbaren. Ich erlebe es gerade in München, dass es kaum mehr möglich ist, in der Stadt zu wohnen, weil die Mieten so hoch sind. Daher ziehen viele dann eben ins Umland. Problematisch sind da dann aber auch die einfachen Fahrtzeiten, da je nach Lage des Unternehmens, dann auch nicht die Möglichkeit besteht mit dem Auto komplett zur Arbeit zu fahren. Und wieder ist man auf den Nahverkehr angewiesen. Insbesondere in München hat man da aber oft Probleme, weil die S-Bahn ausfällt oder Züge sich stark verspäten. Länger im Büro bleiben muss man dennoch und kommt dann oftmals erst spät nach Hause. Viele Unternehmen bieten Home-Office an, aber es gibt eben auch Leute, die dafür nicht diszipliniert genug sind, oder sich dann doch ablenken lassen. Natürlich sehen das die Chefs nicht gern, wenn man dann deutlich unproduktiver ist. Ich könnt mir vorstellen, dass es außer mir noch andere Berufstätige in meiner Region gibt, die gerne lieber näher an zu Hause arbeiten würden. Ich würde daher mal ganz gerne Shared Office (=Coworking) ausprobieren. Kann natürlich sein, dass so etwas für manche Unternehmen nicht in Frage kommt, aber ich fände es mal einen Versuch wert, wenn man dadurch deutlich produktiver, als im Home-Office ist. Man kann so ja beispielsweise Leute aus einem Landkreis bündeln und man lernt so auch mal Leute aus anderen Branchen kennen.

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