Mutiger Snapchat-Einsatz im Personalmarketing bei Sixt

snapchart-bei-sixt-kim-zachertzSixt ist bekannt für sein mutiges und frisches Produktmarketing. Man hat dort keine Berührungsängste mit digitalen Medien. Da ist es nur logisch, dass bei Sixt auch Employer Branding und Personalmarketing-Aktivitäten der Digitalwelt entsprechend zugewandt sind. Das zeigt sich beim gelungenen Einsatz von Snapchat im Personalmarketing für Azubis & Co. Zu diesem bemerkenswerten Case habe ich ein Hintergrundgespräch mit Kim Zachertz aus dem Sixt HR-Marketing geführt.

 

Snapchat: Wer kennt es noch nicht? Wohl einige, trotz der weltweit über 200 Mio. Nutzer und den hohen Wachstumsraten auch bei den Usern in Deutschland. Snapchat kann man sowohl als einen Messaging-Dienst für Smartphones beschreiben, als auch als eine inhaltefokussiertes, mobiles Social App, bei welcher neben privaten Messages auch sog. Stories öffentlich gemacht werden können, inkl. multimedialer Untermalung, insbesondere in Form von Bildern oder kurzen Videos. Die Besonderheit: Die geposteten Inhalte haben nur eine kurze Halbwertszeit und löschen sich automatisch i.d.R. nach spätestens 24 Stunden. Um die Einführung in Snapchat kurz zu halten gehe ich hier nicht weiter auf die Funktionalitäten ein, empfehle aber dieses tolle Basis-Tutorial zu Snapchat bzw. diesen Grundlagenartikel.

Was Snapchat für das Marketing attraktiv macht ist das Alter der User. Etwa die Hälfte der Snapchat-Nutzer gehört nach Schätzungen der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Auch noch Jüngere schätzen die App. Was verlockend klingt ist gleichzeitig die Herausforderung vor allem im Personalmarketing bzw. Employer Branding. Wie kann man als ARBEITGEBER dort in Erscheinung treten und dennoch authentisch bleiben? Wie kann man sich in einem extrem schnellen Medium mit sich ständig wieder selbstzerstörenden Contents auf Arbeitergeberaspekte oder Jobs hinweisen? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten und so gib und gab es einige Zwischenrufe, wonach Personaler von Snapchat besser ganz die Finger lassen sollten…

Nun, Sixt hat diese Empfehlungen wohl nicht gehört oder sich die Freiheit genommen diese zu ignorieren: Zum Glück! Bei Sixt meint man laut Kim Zachertz (Foto oben) vom Sixt HR-Marketingteam nämlich: „Snapchat ist Zeitgeist – deal with it!“. Das Herangehen und die Outcomes dieser Mentalität wird nachfolgend ein wenig dargestellt. Ich sehe es als ein gutes Bespiel für eine kreative Digitalstrategie, ohne großen Überbau und im besten Sinne mutig (mein lieber Kollege Jörg Buckmann würde wohl „frechmutig“ dazu sagen).

Ziele vom Sixt HR-Marketing auf Snapchat

Ziele vom Sixt HR-Marketing auf Snapchat

Ich lernte Kim im Oktober auf der Social Media Recruiting Konferenz in Hamburg kennen, wo ich über Cultural Fit im digitalen Employer Branding sprach und sie eben jenen schönen Snapchat-Case ihres Arbeitgebers Sixt vorstellte. Herausragend dabei: Sixt gibt auf Snapchat vor allem eigenen Azubis, dualen Studenten und Praktikanten das Wort und lässt so von der Zielgruppe für die Zielgruppe berichten (sog. „TakeOvers“). Dabei sind diese Azubis u.a. jedoch nicht auf ein fixes Thema festgelegt oder werden vom HR-Marketing mikro-gemanaged: Ganz im Gegenteil: Es wird – innerhalb der groben thematischen Leitplanke Job und Joberleben bei Sixt – von jedem selbst frei und nach eigenem Gusto gesnapt. Dabei herauskommen Inhalte, die jene Realistic Jobpreviews liefern, die so unglaublich wertvoll für die Job- und Arbeitgeberentscheidung von jungen Zielgruppen sind: Ganz reale Momente in Ausübung von Position X oder Y. Garniert mit dem Spirit und Machergeist des Unternehmens selbst und in die Wort und Kameraeinstellungen des jeweiligen Mitarbeiters gelegt. Denn ja, es sind stets mit eigenen Smartphones gemachte Aufnahmen, die alles nur nicht perfekt durchproduziert sind – zum Glück. So stößt die Sixt-Snapchat-Kampagne bei der Zielgruppe auf viel positive Resonanz und kann aus meiner Sicht als vorbildlich für die Nutzung dieser spannenden Social App bezeichnet werden. Die so neu geworbenen Azubis und dualen Studenten mochten es, wie einige O-Töne belegen.

Feedbacks von Bewerbern auf die Sixt-Snapchat-Aktivitäten

Feedbacks von Bewerbern auf die Sixt-Snapchat-Aktivitäten

Und weil ich das nicht annährend so gut berichten kann wie eine der Hauptverantwortlichen, habe ich Kim aus dem Sixt HR-Marktingteam einige Fragen zu Sache gestellt. Am Ende des Gespräches gibt Kim zusammenfassend auch einige Tipps, worauf beim Snapchat-Einsatz aus HR-Sicht zu achten ist.

Voilá: Das Inteview

Christoph Athanas, meta HR: Wieso seid Ihr das Wagnis eingegangen für Euer Personalmarketing Snapchat zu nutzen? Was waren Eure Beweggründe?

Kim Zachertz, Sixt: Zum einen treibt Sixt Innovationen stark voran! Dies macht sich nicht nur bei unseren Produkten und Kooperationen, wie DriveNow oder Fastlane bemerkbar, sondern auch im digitalen Umfeld. So haben wir z.B. schon Periscope ausprobiert und unsere Social Media Kollegen von Sixt Rent A Car hatten Projekte auf Tinder, Dubsmash & co. Dadurch können wir einfach viel Neues ausprobieren. Zum anderen ist es uns aber einfach sehr wichtig auf den Kanälen zu sein, auf denen sich unsere Zielgruppe bewegt und da sprechen die Zahlen für sich, junge Leute sind auf Snapchat 🙂

Christoph: Wie seid Ihr vorgegangen, um das Thema auf die Straße zu bringen – ein passendes Bild bei einem Autovermieter 😉 ?

Kim: Das stimmt, das ist wirklich ein passendes Bild! Wir haben das Glück, dass wir unsere PS immer schnell und unkompliziert auf die Straße bringen können. Sprich: Bei uns gibt es keine endlosen Freigabe- und Genehmigungsprozesse. Wir haben ein kurzes Konzeptpapier dazu erstellt, was wir auf Snapchat machen wollen und kurz danach ging es auch direkt los: Wir hatten uns vorher überlegt, was wir als Aufhänger für den Start benutzen könnten, im Endeffekt haben wir aber in typischer Sixt-Manier einfach spontan losgelegt.

Sixt Karriere@Snapchat steht für Abwechslung. Besonders die TakeOvers begeistern.

Sixt Karriere@Snapchat steht für Abwechslung. Besonders die TakeOvers begeistern.

Christoph: Welche Erfahrungen habt Ihr bisher mit Snapchat gemacht und vor allem mit der Autonomie, welche Ihr Euren Azubis dabei gewährt?

Kim: Toi, toi, toi – bisher haben wir wirklich fast ausschließlich sehr positive Erfahrungen mit Snapchat gemacht. Snapchat ist wirklich ein toller Kanal, um einfach authentisch zu kommunizieren. Wir wollen Sixt als Arbeitgeber erlebbar machen und dafür gibt es momentan kein besseres Tool. Ich hab vor kurzem gelesen, dass Snapchat als Quelle für nicht „geglättete“ Informationen steht. Das finde ich eine sehr passende Bezeichnung, denn genauso ist es bei uns auch. Getreu dem Motto: Einfach mal draufhalten 🙂

Sixt verbindet seine Social und Digital Aktivitäten und generiert so Follower für Snapchat.

Sixt verbindet seine Social und Digital Aktivitäten und generiert so Follower für Snapchat.

Christoph: Ist Eure Snapchat-Initiative in andere Sixt-Social Media Aktivitäten eingebettet? Wenn ja wie?

Kim: Auf jeden Fall! Neben Snapchat sind wir im Social Media Bereich mit Sixt Karriere vor allem auf Facebook und Instagram unterwegs. Auf Facebook geht es vorrangig um Berichterstattungen von vergangenen Veranstaltungen mit Bildergalerien, um Jobpostings oder um ausführliche Mitarbeiterportraits bzw. –Interviews währen man auf Instagram eher den Schnappschuss des Events sowie Bilder, die im Unternehmensalltag in ganz unterschiedlichen Situationen entstehen, findet. Snapchat ist bei uns wirklich der Kanal, bei dem es um Bewegtbild-Inhalte geht. Hier wollen wir live und authentisch zeigen, was das Arbeiten bei Sixt ausmacht! Dabei helfen uns vor allem auch die sogenannten „TakeOver“, bei denen duale Studenten, Praktikanten, Azubis oder Mitarbeiter den Kanal für einige Zeit komplett übernehmen und aus ihrem Alltag berichten. Denn mittlerweile haben wir den Kanal vom Azubi-Fokus ausgebaut und möchten damit auch Studenten als potentielle Kandidaten für Praktika, Traineeprogramme oder Direkteinstiege ansprechen.

Christoph: Was rätst Du anderen Personalmarketingteams, die auch gern Snapchat nutzen wollen. Worauf müssen die achten, was muss da sein, was darf nicht sein?

Kim: Was man auf jeden Fall nicht unterschätzen sollte, ist der Zeitaufwand, den Snapchat erfordert. Auch wenn wir selbst keinen Content produzieren, gibt es natürlich einiges an Organisation mit unseren „Content Creators“. Mein Tipp, damit hinterher nichts schief geht, ist ein gutes Briefing! Hier sollte die Person, die den Snapchat-Kanal übernimmt, auch die „Spielregeln“ dafür kennen 😉 Wir lassen hier unseren Mitarbeitern sehr große Freiräume – aber ein paar Kleinigkeiten, wie z.B. dass keine internen Daten oder Kundeninformationen gezeigt werden, sollte man natürlich beachten. Generell würde ich aber auch empfehlen, einfach Dinge auszuprobieren! Denn auf welcher App geht das besser, als bei einer, bei der sich der Content nach 24h löscht? 😉

Christoph: Liebe Kim, vielen Dank für die interessanten Einsichten und weiter viel Erfolg!

 

Wsixtkarriere_snapchat-logoeiterführende Infos:

Sixt-Karriere auf Snapchat – Artikel im Sixt-Blog.
Sixt Karriere-Webseite
Sixtkarriere – Download der Snapchat-App
(notwendig um Sixtkarriere zu sehen, nur mobil)

 

Über meine Interviewpartnerin: Kim Zachertz
Kim entdeckte ihre Begeisterung für den Bereich Employer Branding bereits während ihres dualen Studiums „International Management“ bei Bertelsmann. Nach verschiedenen Projekten in Personalmarketing- und Digital-Bereichen von Bertelsmann und der Mediengruppe RTL Deutschland arbeitet sie nun seit zwei Jahren bei Sixt. Ihre Zielgruppen begeistert sie gern im direkten Kontakt und mindestens genauso gern über digitale Kanäle. Mit der schnellen, provokanten Marketing-Art von Sixt bleibt kein Kanal vor „uns“ sicher, sagt sie dazu noch selbst.
Ihrer offiziellen Funktion nach ist Kim Zachertz Manager Employer Branding & HR Marketing beim Mobilitätsdienstleister Sixt in Pullach bei München.

 

Tipp: Wer mehr über digitale Recruiting-Strategien für Gen Y und Gen Z-Zielgruppen erfahren möchte, siehe z.B. hier unsere Veranstaltung am 27. & 28. April 2017 in Berlin.

 

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