HR-Leitmesse und die Suche nach der Zukunft: Impressionen von der Zukunft Personal 2015

zp15-1Es war einmal wieder soweit: Die größte HR-Messe des Jahres, die Zukunft Personal, öffnete für drei Tage ihre Pforten in Köln. Die Messe versucht sich neu aufzustellen. Start-Up-Pitches, Thementage oder Blogger Lounge sind Ausdruck davon. Im Kern aber bleibt es zu allererst eine thematisch sehr breite Veranstaltung mit vielen Gesichtern, einer gewissen Unübersichtlichkeit und der charmanten Möglichkeit viele Akteure der HR-Szene zu treffen. Dies sind meine ganz persönlichen Eindrücke von vom Messebesuch.

 

Hier ist mein Bericht:

Orientierung und Networking-Faktor
Die Zukunft Personal ist groß. Groß an Fläche, groß an Ausstellern und groß auch am Ankündigen von HR-Trendthemen: Arbeiten 4.0, Candidate Experience, HR-Transformation oder Demografischer Wandel begegnen einem vielfältig im Messeprogramm. Klingt hochaktuell. Doch wie und wo gibt es diese Angebote, was gibt das Messeprogrammheft her? Da braucht es schon eine intensivere Beschäftigung mit dem Programm. Natürlich laufen auch zahlreiche Programmpunkte parallel. Orientierung ist hier inhaltlich, zeitlich und vor Ort dann auch räumlich nicht ganz so einfach. Ehrlich: Man kann das schon schaffen, aber bei mir war nach kurzem Durchblättern des Messekataloges Schluss. Die unzähligen Angebote sind mir gefühlt zu viel, das Programmheft auch zu analog. Klar, es gibt die Messe-App. Aber ich tendiere dazu nur Apps zu installieren, die ich dauerhaft nutze. Persönliche Smartphone-Hygiene sozusagen 😉
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Außerdem: Eine Reihe Termine hatte ich im Vorfeld vereinbart und ein paar Verpflichtungen (Blogger Lounge Session und Teilnahme an einer Podiumsdiskussion) standen sowieso für mich fest, weshalb ich mir die verbleibenden wenigen Freiräume nicht noch verplanen wollte. Ohnehin: Planen ist, wie gesagt, auf ZP zwar möglich, aber etwas umständlich. Viele Angebote und Themen überlagern sich. Auf Sonder- und Aktionsflächen bieten sich zahllose Vorträge an. Manchmal sind die inhaltlichen Abgrenzungen nicht immer klar. Ist nicht alles irgendwie Arbeiten 4.0 frage ich ein wenig ketzerisch? Das Programm schwieg mich dazu an. Also ging ich wo ich konnte einfach so durch die Hallen. Sehr schnell traf ich auf erste Bekannte. Das ist schön. Es gibt einem das Community-Feeling. Allerdings sind es in der Regel meine Kontakte von den HR BarCamps. Geht es anderen Messebesuchern, jenen ohne meinen intensiven HR BarCamp Background anders? Ich kann es nicht beurteilen. Networking geht meiner Ansicht nach immer. Ich hatte hier gewissermaßen einen leichten Start. Auch die ZP kann ein wenig zum Klassentreffen werden.

Inhaltliches
Die inhaltlichen Angebote sind umfangreich. Gefühlt gibt es aber mehr Quantität als Qualität. Bei Vortragsangeboten, als auch bei dem was viele der teilnehmenden Unternehmen bieten. Das ist bei über 500 Ausstellern allerdings kein Wunder. Aber wie gesagt: Das ist gefühlt, nicht gemessen… Selbstredend habe ich aber auch Verständnis, dass sich die großen, üblichen Anbieter dort präsentieren wollen und müssen. Und niemand kann das Rad ständig neu erfinden.
Da ich aus eigenem Interesse eher die Recruiting- bzw. Employer Branding Themen im Blick habe, schaute ich mich vor allem hier bei einigen Ausstellern um. Es gab nun auch ein HR-StartUp-Village, wo sich HR-StartUps und weniger bekannte HR-Dienstleister zeigen. Gut, dass diese zunehmend spannender werdende HR-Szene somit wenigstens in Teilen auch an der Messe teilhaben kann. Spannend fand ich bspw. feelgood@work, get in IT, Firstbird oder Stack Overflow Career (letzteres ist natürlich kein StartUp). Aus der StartUp-Ecke kommend wurde ich über einen Bekannten in ein Gespräch mit einer mir unbekannten Person verwickelt. Der Mensch gibt mir seine Visitenkarte. Sie sind ein neues Recruitingportal, sagte er. Ich verkniff mir ein loriotmäßiges „ach“ und fragte lieber, was ihre Lösung besonders macht. Die Antwort war eher enttäuschend. Es klang irgendwie nach einer Aneinanderreihung von Buzzwords: Sourcing, Matching, Talentpools unzp-94d alles voll auf den Candidate zugeschnitten. Super. Haute mich nicht gerade um. Ich beschloss daher die Einladung den Stand zu besuchen freundlich auszuschlagen (den Namen des Anbieters nenne ich hier fairnesshalber aber nicht). Stattdessen besuchte ich lieber den Messeauftritt von viasto, den Video-Recruiting-Spezialisten. Die sind zwar nicht mehr ganz so neu als Unternehmen, aber immer noch innovativ und sie hatten jede Menge guter Cases und gute Laune (siehe Foto).

Die Blogger Lounge
Ich musste ohnehin zu Blogger Lounge. Ja, die Blogger Lounge. Eine Neuerung auf der Messe. So wird HR-Bloggern dort die Möglichkeit geboten einen einstündigen Slot zum Thema ihrer Wahl abzuhalten und so Blogleser und Blogger mal live zusammen zu bringen. Nette Idee. Viele hervorragende HR-zp15-3Blogger Kolleginnen und Kollegen waren dabei. Direkt vor mir legte saatkorn-Blogger Gero Hesse sich ins Zeug (siehe Foto). Ina Ferber, Eva Zils, Jo Diercks und einige mehr werden im Verlauf der Messe folgen. Gero war fertig. Nun war ich dran. Die Blogger Lounge bietet ungefähr 20 Personen Platz und es gibt einen Screen um ein paar Folien zu zeigen. Leider gab es keine akustische Verstärkung, weshalb man als Redner dort recht laut sprechen musste, weil um einen herum der Klangteppich der gesamten Messehalle 2.1 zu hören war. Das laute Sprechen strengte mich an. Dennoch schaffte ich vor ca. 15-20 Interessierten meinen kurzen Vortrag zu den Highlights unserer Candidate Experience Studie zu halten. Anschließend gab sogar noch eine Viertelstunde lang einen wirklich fruchtbaren Austausch. Die vier Exemplare unseres Sonderdrucks von der Stuzp15-2die fanden auch schnell Abnehmer. Fazit hierzu: Die Blogger Lounge ist ein angenehmes Angebot. Der Rahmen ist vertraulich. Das ist gut, nur die Akustik war schwierig. Schade auch, dass die Messe es versäumt hatte hier das Blogger Lounge Programm auf einen Aufsteller vor der Location zu drucken. So standen nach meiner Session ein paar Besucher recht ratlos da und fragten sich, wie und ob es dort weitergeht.

Spaßfaktor
Für mich ging es weiter. Ich führte eine Reihe Gespräche, größtenteils vorterminierte. Spontan aber sprach mich Deborah Liebig von get in IT an. Wir standen schon einmal in Kontakt und ich erinnerte mich, dass get in IT kürzlich eine Studie über Karriereerwartungen von IT-Nachwuchskräften herausgebracht hat. zp15-5Interessantes Thema. Während ich die Keyfacts dieser Studie erläutert bekam wurde mir bewusst, dass dieses Jahr offenbar Papierbrillen ein großartiges Messeassesoir sind. Es entstaden ein paar schöne Brillen-Fotos von Deborah und mir (siehe Bild). Spaß kommt immer gut an und einige Aussteller spielten die Spaßkarte recht gekonnt. Ich find das gut und lasse mich gern „infotainen“ – besser als Schreibkram-Give-aways oder Gratis-Kaffee ewig und drei Tage…
Den definitiv größten Funfaktor auf der Messe bot Wollmilchsau. Die digitalen Employer Brander aus Hamburg waren erstmals als Aussteller vertreten und führten sich fantastisch ein: Eine Fotobox mit vielen, zp15-8kuriosen Verkleidungsutensilien sorgte für eine Menge Spaß. Die Bilder konnte man mitnehmen. Hier auf dem Bild posiere ich mit Ober-Wollmilchsau Jan Kircher (mit blauer Perücke, steht ihm). Nebenbei hatten die Wollmilchsäue auch die vermutlich coolsten HR-Postkarten am Stand. Mein Besuch dort war in jedem Fall sehr gut für die Laune. Inhaltlich haben die Kollegen dort natürlich auch ziemlich was zu bieten, aber das haben hoffentlich viele Messebesucher nach einem eigenen Fotoshooting rausfinden können.

Exkurs: HR Night
Im Anschluss an den ersten Messetag übrigens gab es noch ein echtes Highlight, was fromal nichts mit der Zukunft Personal zu tun hatte, aber perfekt passte: Die von Henner Knabenreich organisierte HR Night war ein richtig schönes Event, welches den Messetag perfekt abrundete und eine wirklich schöne Erfahrung mit maximalem Networking- und Wiedersehensfaktor war. Und die Veranstaltung war daran schuld, dass vermutlich 50-100 Messebesucher viel zu spät ins Bett kamen…

Thementag Candidate Experience
Am zweiten Messetag stand für mich der Thementag Candidate Experience im Fokus. Zum einen ist das bekanntermaßen eines meiner Leib-und-Magen-HR-Themen, zum anderen war ich dort auch eingebunden in die Podiumsdiskussion zur Materie. Außerdem stellte ich am Stand von Stellenanzeigen.de noch die Highlights aus unserer gemeinsamen zur Sache Studie vor. Der Cand Ex Tag war aus meiner Sicht eine wirklich gut fokussierte Veranstaltung im Rahmen dieser Messe. zp-92Den Auftakt machte US-Candidate Experience Veteran Gerry Crispin. Im Verbund mit Wolfgang Brickwedde und Henner Knabenreich wurde hier sehr schön ins Thema eingeführt. Interessant dabei war übrigens, dass sich eine Reihe der Erkenntnisse vom Talentboard aus den USA mit den Ergebnissen der meta HR/ Stellenanzeigen.de Candidate Experience Studie 2014 decken, welche Prof. Wald (HTWK Leipzig) und ich erstellt haben. Bestätigung schadet ja nicht 😉
Später dann versuchten Ina Ferber, Tim Verhoeven und ich unter der Moderation von Wolfgang Brickwedde die Frage zu beantworten, ob Cand Ex nur eine „neue Sau im HR-Dorf“ wäre. Die Antwort fiel recht eindeutig aus: Nein, das Thema ist wichtig und wird nicht einfach wie ein kurzlebiger Trend wieder vergehen. Auch wenn ich noch manche Fehlinterpretationen und überzogene Erwartungen im Rahmen des Themen-Hypes erwarte, ist das Kernanliegen des Themas wichtig und führt, wenn richtig umgesetzt zur Stärkung der Arbeitgebermarke und zu besseren Recruitingergebnissen. Den über 100 Zuhörern unserer Diskussionsrunde riet ich trotzdem zur Skepsis, vor allem um halbherziges Handling des Themas zu vermeiden. Wenn schon, dann mit entsprechender Priorität!

Mein Fazit
Ich hatte nach zwei Messetagen mit ordentlich vielen Gesprächen und etwas „Freigang“ auf der Messe also eine Reihe lustiger Fotos gemacht, einen Vortrag in der Blogger Lounge gehalten, übers Trendthema Cand Ex diskutiert und viele bekannte Gesichter gesehen. Dazu konnte ich ein paar neue Leute bzw. ihre Lösungen kennen lernen. Vieles was im Prinzip sicher auch interessant gewesen wäre, z.B. die Aktivitätzp-93en rund um Arbeiten 4.0, gingen an mir vorbei. Das ist wohl der Preis einer solch umfangreichen Veranstaltung. Die Messe ändert langsam ihr Gesicht, sie ist auf der Suche, das merkt man. Sofern man etwas guten Willen mitbringt, kann man das wohlwollend bewerten, auch wenn sich einiges immer noch anfühlt wie im letzten oder vorletzten Jahr. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass ich auch nächstes Jahr wieder auf der ZP vorbeischaue. Den Wow-Effekt anderer, kleinerer HR-Veranstaltungen wird die Zukunft Personal mit ihrer thematischen Breite und ihrer räumlichen Größe wohl nie erreichen. Das ist halt so und Teil des Gesamtpaketes. Ein wenig klassische Messe ist auch ok. Schließlich gibt es auch diejenigen, welche sich z.B. schlicht nur mal eine Reihe Talentmanagement-Suiten an einem Tag anschauen wollen ohne Drumherum. „Mirko-Attraktionen“ wie bspw. die Thementage und auch die Blogger Lounge tun der Zukunft Personal aber in jedem Fall gut und sollten meiner Einschätzung nach auch im kommenden Jahr wieder aufgegriffen werden. Am besten wäre eine Rückkehr zu zwei statt drei Messetagen. Dann wären die Hallen sicher voller und das Programm würde kompakter und vermutlich qualitativ noch besser. Wir werden sehen…

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6 Gedanken zu „HR-Leitmesse und die Suche nach der Zukunft: Impressionen von der Zukunft Personal 2015

  1. Henner

    Lieber Christoph, danke für deine Zusammenfassung! Freut mich, dass es dir auf der HR-NIGHT gefallen hat! Merk dir doch schon mal nächstes Jahr vor, da knüpfen wir nahtlos an 🙂
    Schöne Grüße und bis bald in Wien!
    Henner

  2. Christoph Athanas Beitragsautor

    Hallo Henner,
    ja, die HR-NIGHT war wirklich klasse. Finde ich gut, wenn Du das wiederholen willst – passt einfach perfekt!
    See u,
    Christoph

  3. Hans-Thilo Sommer

    Hallo Christoph, vielen Dank für deinen schön und informativ geschriebenen Artikel. In der Form bekommt man Vorfreude auf nächstes Jahr. Wir sollten nach Jahren der Abstinenz mal wieder überlegen dabei zu sein.
    Gruß Hans-Thilo

  4. Florian

    Schön geschrieben! Vielen Dank.

    Mittlerweile ist die Zukunft Personal eine echte Institution geworden. Gibt es in Deutschland eigentlich eine vergleichbare Messe?

  5. Christoph Athanas Beitragsautor

    Danke sehr. Freut mich, dass Dir mein Messebericht gefallen hat. Vergleichbare HR-Messen? Vielleicht noch die Personal Nord/ Süd. Die sind jedenfalls vom selben Messeveranstalter.

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