Der Einsatz von Videos im Recruiting. Fragen an Payam Parniani

Foto_PayamIn der digitalen Welt sind Videos nicht wegzudenken. Sie eigenen sich besonders wenn es darum geht komplexe Dinge schnell und unkompliziert zu vermitteln. Sie können Emotionen wecken und sie sind Eye-Catcher auf Webseiten oder in sozialen Medien. Im Recruiting und Employer Branding gibt es einen ungebrochenen Trend zum Bewegtbild.

 

Ich habe zum Thema Arbeitgebervideo und wie das richtig geht mit Payam Parniani gesprochen, der mit seiner Agentur Vidilo solche Clips für Unternehmen plant und realisiert.

Das Interview:

Christoph Athanas, meta HR:
Hallo Payam, lass uns über Videos im Recruiting sprechen. Bitte nenn uns zum Einstieg ins Thema die wesentlichen Gründe, warum Arbeitgeber in Sachen Personalgewinnung Videos berücksichtigen sollten?

Payam Parniani (P.P.):
HR ist das Herzstück eines Unternehmens. Jedes Unternehmen, egal ob groß oder klein, kämpft um Talente. Heute mehr denn je. Und die kleinen Unternehmen müssen eigentlich sogar noch stärker um die Gunst neuer Mitarbeiter kämpfen… Zwar sind die Ressourcen nicht immer optimal, um dieser wichtigen Aufgabe entsprechend Tribut zu zollen (meiner Meinung nach wird HR immernoch zu wenig Wichtigkeit zugesprochen), trotzdem gibt es immer mehr Unternehmen, die erkannt haben, wie entscheidend die Arbeitgebermarke und Arbeitgeberreputation ist. Arbeitgeber und Arbeitgebermarke sind abstrakte Konstrukte. Um sie zu verstehen muss man ihnen Leben einhauchen und Interaktionen schaffen. Im Grunde genommen ist das Ziel, den Außenstehenden an einer Sache teilhaben zu lassen, ihn aufzuklären und zu inspirieren. Das geht face2face, in Printform oder digital.

Unternehmen sind also durchweg dabei Geschichten zu erzählen. Auch wenn der Filmemacher in mir das Wort Storytelling ungern benutzt :) Ein guter Post auf Facebook tut es, ein gutes Bild tut es, eine gute Headline, ein guter Film, usw.

Stellt man die verschiedenen Medien der heutigen Zeit gegenüber, so könnte man meinen, dass das Medium Video das effektivste aller Medien ist. Das kann man aber so pauschal nicht sagen. Zwar gibt es Studien, die belegen, dass Video mehr Emotion auslöst und Information effizienter vermittelt* doch: Video ist nicht gleich Video. Es kommt auf die Umsetzung an.

CA, meta HR:
Was also tut ein gelungener Arbeitgeberfilm genau?

P.P.:
Ein guter Arbeitgeberfilm tut folgendes: Innerhalb kurzer Zeit macht der Film dem Zuschauer klar aus welchem Holz der Arbeitgeber geschnitzt ist. Er transportiert wichtige Informationen über Job, Kultur und Kollegium. Der Adressat erhält einen tiefen Einblick in die Psychologie des Unternehmens und erkennt, ob er sich mit dem Arbeitgeber identifizieren kann. Vorallem erkennt er ob er der richtige für das Unternehmen und/oder den Job sein könnte. Ein guter Film steigert das Verlangen (und erleichtert es) sich mit einem Unternehmen auseinander zu setzen, nach zu forschen und sich ggf zu bewerben.

Ich bin der Meinung, dass man sich immer dort aufhalten muss, wo sich die Zielgruppe befindet. Schon mal jemanden sagen hören: “Videos schaue ich mir grundsätzlich nie an”? Nicht wirklich, oder? Seien wir ehrlich, der Mensch ist ein visuell gepoltes Lebewesen. Wir konsumieren Videos häufiger denn je. Mobil, am PC oder auf dem Fernseher. Press Play. Warum also sollten sich Unternehmen nicht mit dem Medium auseinander setzen?

CA, meta HR:
Wir alle kennen das ́Mitarbeitertestimonial ́, also den Mitarbeiter, der wohlwollend aber möglichst glaubwürdig über seinen Arbeitgeber spricht. Was gibt es sonst noch an Formaten und welche Art Filme machen in Sachen Recruiting und Employer Branding Sinn?

P.P.:
Grundsätzlich lässt sich sagen: Testimonials funktionieren, viele sind zwar langweilig oder unauthentisch produziert aber das ist ein anderes Thema. Testimonials werden nie verschwinden. Da können Kritiker sagen was sie wollen :)

Testimonials simulieren nämlich folgende Interaktion: “Ich, Payam Parniani möchte wissen, wie es ist, Geschäftsführer von der meta HR Unternehmensberatung zu sein und nebenbei auch noch coole Blogbeiträge zu schreiben. Du machst ja noch viel mehr als das! Du veranstalltest die legendären HR Barcamps in Berlin zusammen mit dem Jannis, hast Familie, und und und…Wie kriegst du das alles unter einen Hut? Und wie ist der Jannis eigentlich so drauf?” Wer beantwortet mir die Frage? Du natürlich! :)

CA, meta HR:
Das wäre dann aber ein anderes Interview ;-) Zurück zu den Testimonials…

P.P.:
Testimonials ermöglichen eine Art der face2face Interaktion. Natürlich ersetzt ein Testimonialvideo kein direktes Gespräch. Dennoch kann es wertvolle Informationen bieten und erste Fragen beantworten sowie emotionale, nonverbale Eindrücke vermitteln. Und das auf Scale.
Testimonials sind nicht das einzige Mittel in der Recruitingvideo-Welt. Es gibt eine Vielzahl weiterer und kreativerer Arten von Filmen. Letztenendes muss die Maßnahme zur Marke, den Zielen und den Budgets passen. Ich bin stolz darauf, dass wir für unsere Kunden verschiedenste Arten von Filmen konzipiert und produziert haben. Den Filmen einen Stempel zu verpassen ist gar nicht mal so einfach. Leichter ist es, sich die Filme einfach anzuschauen und ggf. inspirieren zu lassen.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich liebend gerne eine Kampagne mit zwei Filmen beginnen: Der erste Film ist der kreative Film, der die Zielgruppe umhaut, begeistert, anregt. Etwas vom Kaliber des Axel Springer “yeah3000” Bewerbungsvideos (Anm.: siehe Video unter dem Text) oder der Guiness Filme.
Der erste Film soll also den Zeitgeist der Zielgruppe treffen und virales Potential haben. Zum Ende des Filmes würde ich dann dem Zuschauer die Möglichkeit bieten, mit Hilfe von Invideo-Click oder Annotations sich direkt den zweiten Film anzuschauen. Der zweite Film bietet dann tiefergehende Informationen und liefert wertvolle Einblicke und Erkenntnisse. Wichtig dabei ist, dass der Film dem Zuschauer Mehrwert bietet, dabei aber nicht langweilig wird. Es gibt soviele Konzeptionsmöglichkeiten für Recruitingvideos. Das Ziel diktiert das Format, nicht andersherum. Daher ist es wichtig, sich erst über das Ziel zu unterhalten. Bewegtbild ist übrigens mehr als ein 45-150 Sekünder. Es gibt dann noch Vines, Animated Gifs uvm.

CA, meta HR:
Worauf sollten Unternehmen bei der Produktion von Recruitingvideos sonst noch achten?

P.P.:
1.Ein Redakteur sollte Vorgespräche mit den Mitarbeitern aus den ausgewählten Abteilungen führen. Häufig befinden sich echte Storyschätze in den Mündern der Mitarbeitern. Es empfiehlt sich daher, mehr Zeit in die redaktionelle Entwicklung eines Films zu investieren. Außerdem sollten Vorgespräche geführt werden, um zu eruieren, ob die Kommunikationsziele sich mit der tatsächlichen Wahrheit decken. Nichts ist schlimmer als Aussagen die nicht stimmen. Interne und externe Shitstorm Gefahr = ungesund.
2.Bei Testimonials werden Gesprächsthemen vordefiniert, nicht der genaue Wortlaut. Nichts ist schlimmer als auswendig gelernte Phrasen.
3.Kopiert nichts eins zu eins. Das ist super uncool und könnte entlarvt werden.
4.Macht nichts selber, was ihr nicht wirklich könnt.
5.Produziert keine Rapvideos, es sei denn ich darf den Künstler wählen ;)
6.Habt Spaß bei der Produktion, das spürt man im Film.
7.Ein guter Arbeitgeberfilm wird nicht nur hochgeladen. Er wird vermarktet. Und damit meine ich nicht nur, dass der Film auf Youtube oder Facebook gestellt wird. Denkt also bereits bei der Konzeption des Films darüber nach, wie Elemente der Vermarktungsstrategie mit in den Film einbezogen werden können.
8.Seit ca einem Jahr kann man mit relativ wenig Media Budget verdammt gutes Targeting betreiben. Nutzt das.
9.Geht neue Wege, seid frechmutig

CA, meta HR:
Wie sieht es mit den Rahmenbedingungen für eine solche Produktion aus? Wie lange dauert es durchschnittlich und welche Budgets sind in etwa nötig, um seinen eigenen Recruitingfilm herstellen zu lassen?

P.P.:
Es kommt wirklich drauf an. Ich weiß, das ist keine zufriedenstellende Antwort…

CA, meta HR:
Stimmt. Daher: Kannst Du bitte ein wenig mehr ins Detail gehen?

P.P.:
Ok, um etwas konkreter zu werden folgende Grobrechnung: Ein guter Recruitingfilm kann bei 10.000€ anfangen und bei 100.000€ aufhören…abhängig vom Umfang und Kundenanspruch. Ich finde wichtig, dass man für Preise ein Gefühl bekommt. Bei Interesse kann man mich gerne persönlich fragen, wieviel zum Beispiel ein bestimmtes Video gekostet hat. Publik darf ich das leider aber nicht machen, Christoph.

Unsere Filme haben wir meistens zwischen 1-4 Drehtage im Kasten. Zusätzlich kommt natürlich die Preproduktion und Postproduktion. Ein Film kann also 3-6 Wochen dauern bis er komplett fertig wird.

CA, meta HR:
Letzte Frage: Welche Trends siehst Du beim Einsatz von Video für Recruiting und Employer Branding, d.h. wovon werden die Clips in naher Zukunft geprägt sein?

P.P.:
1.In der Zukunft sehe ich definitiv einen weiterhin starken Anstieg der Videocontents in den sozialen Medien.
2.Facebook hat einen neuen Videoplayer. Dir ist sicher aufgefallen, dass Facebook-native-Videos stumm abgespielt werden, ohne das man auf Play drückt. Das klingt unspektakulär, aber a) kann man daraus einiges machen und b) hat Facebook noch mehr mit dem Medium Video vor (z.B. Video Ads). Man darf gespannt bleiben.
3.Es wird viel mehr kurze Videos geben. Kreative Videos. Vines, Instagram Videos.
4.Personalmarketing wird Google+ und animated Gifs für sich entdecken.
5.In fernerer Zukunft sehe ich Kollaborationen mit Youtube Stars
6.Youtube Kanäle werden besser genutzt. Da gibt es einiges was Karriere Kanäle besser machen könnten.
7.Von Mitarbeiter-gemachte Videos werden kommen → Dazu möchten wir auch unseren Beitrag leisten. Mehr dazu wenn du, lieber Christoph, Robindro oder Jan mich hoffentlich bald interviewen ;)))

CA, meta HR:
Payam, danke für das Gespräch und die interessanten Einblicke in die Welt der Videos.

 

Über meinen Gesprächspartner:
Payam Parniani ist Mitgründer und Mitglied der Geschäftsführung bei Vidilo – Agentur für Bewegtbildkommunikation. Als Berater und Konzepter betreut er KMU’s und internationale Konzerne bei der Entwicklung und Konzeption von Bewegtbildprojekten. So gewann er gemeinsam mit seinem Team den HR Excellence Award in der Kategorie „Bestes Arbeitsgebervideo“. Als Schnittstellenmanager zwischen Beratung, Kreation und Produktion begleitet Payam Parniani den gesamten Herstellungsprozess einer Filmproduktion, von der Ideenentwicklung bis zur Fertigstellung. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf strategischen und inhaltlichen Fragestellungen einer Produktion. So stellt er sicher, dass die Bedürfnisse seiner Kunden exakt und präzise umgesetzt werden.

Er ist hier auf XING zu finden und betreibt auf Facebook die HR-Bewegtbild-Gruppe wo es immer wieder interessante Recruiting-Videos zu sehen gibt. Die Gruppe ist offen zugänglich.

Ein Gedanke zu „Der Einsatz von Videos im Recruiting. Fragen an Payam Parniani

  1. Dr. Martin Stotz

    Arbeitgebervideos sind ganz sicher ein hervorragendes Medium. Da ein Bild bekanntlich mehr sagt als tausend Worte, gilt dies um ein Vielfaches mehr für „bewegte“ Bilder. Entsprechend muss ein Video dann meiner Einschätzung nach aber hoch professionell und damit sehr aufwändig konzipiert werden, damit auch exakt jene Botschaften „hineingepackt“ werden, die das Unternehmen transportiert wissen will.

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