HR lernt programmieren. Ein Gespräch mit Patrick Hypscher und Robindro Ullah über die Bedeutung von IT-Wissen für Personaler

SH_Coding_Workshop_smallGefühlt wird die HR-Welt monatlich technischer. Auch wenn das reale Tempo der HR-Digitalisierung vielleicht ein wenig unter diesem Eindruck liegt, ist es doch mittlerweile unumgänglich: IT-Themen und Datenhandling gehören nicht nur zur HR-Arbeit dazu, sondern stehen in deren Zentrum. Dennoch gibt seitens zahlreicher HR-Verantwortlicher eine gewisse IT-Skepsis. Was liegt also näher als HR´lern das Thema praktisch nahe zu bringen und sie sogar selbst ein wenig programmieren zu lassen. Das dachten sich Patrick Hypscher (Skill Hero) und Robindro Ullah (HR in Mind) und riefen kurzerhand ein spezielles Angebot für Personaler/innen auf den Plan.

 

Ich selbst bin IT-Themen zugeneigt, seit ich als Teenager einen C64 mein eigen nennen durfte. Und immer schon hat mich das Zusammenwirken von Mensch und Maschine interessiert. Insofern wurde ich gleich hellhörig, als ich kürzlich Patrick von Skill Hero kennen lernte und er mir davon berichtete, dass er mit dem mir bestens bekannten Robindro Ullah ein entsprechendes Vorhaben gestartet hat: HR-Vertreter/innen die IT-Welt ganz praktisch näher bringen und so deren (Überblicks-)Wissen in Sachen HR-Digitalisierung zu stärken.
Das klang für mich nachvollziehbar und scheint mir in eine sinnvolle Richtung zu weisen. Haben doch in ernstzunehmenden Personalabteilung die ATS (Bewerbermanagement-Systeme), Social Media Networks, digitalen Personalakten oder Performance Management Systeme oder eine Mischung daraus Einzug gehalten bzw. tun dies gerade immer mehr. Hinzu kommt die auch jenseits von HR selbst stetig steigende IT-Durchdringung von Geschäftsprozessen. Insofern kann die Frage wohl nur lauten wie tief bzw. wie intensiv sollten HR-Funktionen IT-Wissen aufsaugen? Zugespitzt: Müssen Personaler programmieren können? Mal schauen. Ich habe hierzu Patrick und Robin einige Fragen gestellt und spannende Antworten erhalten…

Das Interview:

Christoph, meta HR Blog: Hallo Patrick, hallo Robindro, Ihr beide bietet im Verbund neuerdings ein wirklich ungewöhnliches Seminar für Personaler an. Es trägt den schönen Titel „Digital HR Skills and Coding“. Das hat mich neugierig gemacht. Außerdem bietet es einen prima Anlass um über Qualifikationsprofile von Personalerinnen und Personalern zu sprechen. Was muss jemand in einer Personalmanagementfunktion können. Du, Robindro, sagst u.a. in Deinem Artikel „Do you speak code“ dass HR-Mitarbeiter/innen Programmierkenntnisse brauchen werden, diese sogar Grundvoraussetzung sein werden. Sagst Du uns bitte wieso Du das vermutest und wie Deine Begründung dafür ist?

Robindro: Den Kommentaren unter meinem Artikel kann man entnehmen, dass doch der eine oder andere HRler meine Vermutung falsch verstanden hat. Ich denke nicht, dass HRler die Softwareentwickler von morgen sind. Sehr wohl weiß ich aber, dass auch heute schon Basis Programmierkenntnisse im HR von Vorteil sind. Dies liegt vor allem an dem Verständnis für „Was geht eigentlich alles“. Aber auch die Kommunikation mit denjenigen, die Schnittstellen und Programme schreiben, vereinfacht sich erheblich, wenn der HRler sinnvoll formulieren kann, was er benötigt. Man kann es aber auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Um uns herum entwickelt sich eine neue digitale Welt. Das Buzzword digitale Transformation schwebt im Raum und viele erwarten von HR, dass sie diese Transformation managen. Aber wie willst du etwas managen, was du nicht verstehst?

Christoph, meta HR Blog: Danke für den Einstieg in den Gedanken. Sagt uns doch nun bitte, was sich unter „Programmierkenntnissen“ eigentlich verbirgt. Patrick – Du bist mit Deinem Unternehmen Skill Hero in einem sehr IT-technischen Umfeld und gleichfalls an der HR-Front aktiv. Was sollte denn Deiner Meinung nach ein Angestellter eines HR-Teams „programmiertechnisch“ können bzw. wissen?

Patrick: Er sollte nicht selbst programmieren können, jedoch ein Grundverständnis haben, wie Software funktioniert. Dazu gehören erstens das Datenmodell und Datentypen – sie bestimmen die Passung zu den eigenen HR-Prozessen sowie die Anpassungsfähigkeit der Software. Zweitens lernen wir die Bedeutung von Funktionen kennen – sie erwecken ein Programm zum Leben. Zusätzlich ist es hilfreich die Funktionsweise von Schnittstellen zu kennen – sie ermöglichen die Kombination mehrerer Software-Module um am Ende als Kunde die gewünschte Funktionalität zu erhalten. Wir erfragen vor jedem Workshop die Erwartungen der Teilnehmer, so dass wir auch auf spezifische Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag im Workshop berücksichtigen.

Christoph, meta HR Blog: Ich bin ja auch immer ein Freund des „Big Picture“. Lasst uns daher von den IT-technischen Skills des Einzelnen weg hin zu den HR-Systemlandschaften in Unternehmen kommen. Welches Maß an Überblickswissen über HR-Systeme und ihre Arbeit miteinander sollten Personaler/innen haben um auch zukünftig mitreden zu können? Was muss da sein?

Robindro: Das ist eine schwierige Frage und meine Antwort darauf hören die meisten vermutlich nicht gern. Jeder HRler sollte einen Überblick über alle HR Systeme im Unternehmen haben. Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass beispielsweise die Daten einer Bewerbung in einem nachfolgenden System als Grundlage für den Mitarbeiterdatensatz dienen könnten oder aber auch für das interne Social Network. Wir arbeiten mittlerweile in einer vernetzten Arbeitswelt. Wenn ich als Recruiter – aus welchen Gründen auch immer – eine Änderung am Bewerbermanagementsystem beauftrage, könnte das Auswirkungen auf das Learning&Developement System haben usw. Nehmen wir den unbeliebten Bereich des Reportings hinzu. Ich sollte einen Überblick darüber haben, was mit den Kennzahlen aus meinem System geschieht und ob diese Informationen ggf. sinnvoller Weise in andere Systeme übertragen werden. Also die HR IT Landkarte sollte jeder mal gesehen haben und verinnerlichen.

Christoph, meta HR Blog: Das klingt natürlich alles gut und schlüssig aus Eure Mündern. Doch Ihr beide habt sowieso eine große IT-Affinität. Daher Hand aufs Herz: Wie schwierig ist es solches HR-relevantes IT-Wissen wie zuvor geschildert zu erwerben, wenn jemand bisher bei IT nur eher an MS Office und bei sozial Media eher nur an XING gedacht hat?

Patrick: Es ist im Kern recht einfach. Denn IT-Software bildet „nur“ Arbeitsschritte ab, die Menschen auch tun könnten. Software hat den Vorteil, dass sie sehr viele Arbeitsschritte in kurzer Zeit verarbeiten kann und das Ergebnis damit mitunter unmenschlich wirkt. Vielen Nicht-ITlern ist dieses Innenleben verborgen und zu kompliziert. Der Schlüssel liegt deshalb in der Didaktik der Workshops, unbekannte Funktionsweisen durch Erklärungen und Analogien verständlich zu machen. Dann ist es einfach.

Christoph, meta HR Blog: Bleiben wir noch kurz bei meinem „Big Picture“ aufs Thema HR und IT: Welche technologischen Entwicklungen findet Ihr aus Eurer Sicht am spannendsten fürs Personalmanagement oder Teilbereiche davon? Ich bin gespannt…

Robindro: Im Bereich Personalgewinnung finde ich derzeit die Entwicklungen rund um das Thema automatisierte Persönlichkeitsprofile sehr spannend. Auch wenn die derzeitigen Tools noch auf wackeligen Beinen stehen, merkt man, dass sich der Stand bald festigen wird. Learning & Development wird uns sicherlich sehr bald schon mit neuen Mobile und vor allem Social Learning Konzepten begeistern. Zuletzt interessiert mich persönlich das Thema der Arbeitsplatzgestaltung, in dem ich auch HR als treibende Rolle sehe. Was da schon theoretisch alles möglich wäre, scheitert oft an veraltetem Statusdenken („Smartphones sind nur der Führungsebene vorbehalten“) und mangelndem Wissen. Man möge sich einmal SMART Kapp ansehen und einfach mal seiner Phantasie in Bezug auf „wie können Meetings noch ablaufen“ freien Lauf lassen.

Christoph: Letzte Frage: Wer sollte zu Eurem Seminar „Digital HR Skills and Coding“ kommen und wer lieber besser nicht?

Patrick: Jeder, der neugierig auf die Hintergründe der Digitalisierung ist, wird bei uns einiges lernen. Wer kein Interesse an Gestaltung von HR und Digitalisierung hat, bleibt lieber fern. Besondere IT-Kenntnisse braucht es nicht, der halbwegs solide Umgang mit Office-Programmen und Smartphone genügt.

Christoph: Besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Eurem Kurs.

 

Hier gibt es alle Infos zur Veranstaltung „Digital HR Skills and Coding

 

Über meine Gesprächspartner:

PH square 16Patrick Hypscher ist Gründer und Geschäftsführer der Skill Hero GmbH. Zu Schulzeiten begann Patrick mit der Programmierung, studierte dann Wirtschaft und Wissenschaftstheorie. Bei Bertelsmann sammelte er mehrere Jahre Erfahrungen als Führungskraft im Key Account Management. Das von ihm gegründete startup Skill Hero entwickelt Mobile Apps für Corporate Training und gewann zuletzt für ein Kundenprojekt mit der Daimler AG den HR Award 2016 in der Kategorie Strategie und Leadership. Rund um das Thema Apps sammelt Patrick täglich Erfahrung, den IT-Mitarbeitern die HR-Sicht und HR-Kunden die IT-Sicht verständlicher zu machen.

robindroullah_smallRobindro Ullah: Als studierter Wirtschaftsmathematiker hat Robindro Ullah das Personalmanagement erst Mitte 2007 für sich entdeckt. Nachdem er in den vergangenen Jahren für die Deutsche Bahn und die Voith GmbH u.a. international tätig war und mehrfach für seine Arbeit mit dem Personalmarketinginnovator Preis und dem HR Excellence Award ausgezeichnet wurde, erhielt der Blogger und Buchautor zuletzt den Deutschen Preis für Onlinekommunikation. Heute bloggt er unter www.hrinmind.de und ist als freier Berater für diverse Unternehmen und Visionen tätig.

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