Teamarbeit auf einer Stelle. Ein Interview zum Thema Jobsharing mit Jana und Anna von Tandemploy

Logo_klein_blau_auf_weiss

Viele Menschen wünschen sich einen erfüllenden Job und gleichzeitig ausreichend Zeit für Familie und Privatleben. Eine Lösung dazu: Jobsharing. Zwei Menschen teilen sich als Gespann einen Job. Solches Hand-in-Hand-Arbeiten erlaubt es privaten wie beruflichen Anforderungen nachzukommen. Tandemploy ist eine Jobsharing-Plattform, welche genau solche Zweierteams und passende Unternehmen zusammenbringt.

 

Die gelebte Flexibilität in der Arbeitswelt hat unter anderem das Gesicht des Jobsharings: Zwei Menschen teilen sich einen Job. Das Unternehmen profitiert gleichfalls, denn wenn sich zwei als echtes Work-Tandem verstehen, kann mehr als simple Teilzeit entstehen. In einigen Fällen gibt es solche Lösungen sogar schon für Führungskräfte. Was es dafür braucht? Einen Job, zwei passende Personen, ein Unternehmen und natürlich eine Instanz, die alle jene zusammenbringt. Dies tut Tandemploy, eine clevere Jobsharing-Plattform. Deren Gründerinnen arbeiten, ganz walk the talk, selber als Geschäftsführungs-Tandem. Ich habe ein Interview mit diesem Gründerinnen-Tandem, bestehend aus Jana Tepe und Anna Kaiser, geführt. Es sind spannende Einblicke in die Welt flexibler Arbeitszeitlösungen und mehr, worüber die beiden berichten. Aber lesen Sie selbst.

Christoph Athanas, metaHR:
Hallo Jana, hallo Anna, Ihr habt im Oktober 2013 Tandemploy gegründet, eine Plattform für Jobsharing. Sagt doch bitte den Leser/innen des metaHR-Blogs kurz, was dort genau Euer Angebot an Arbeitnehmer und an Unternehmen ist.

Jana (Tandemploy):
Mit Tandemploy.com machen wir die Umsetzung von Jobsharing so einfach und wahrscheinlich wie möglich. Wir stellen die Infrastruktur für ein einfaches Zustandekommen, damit das Modell eben kein Zufallsprodukt mehr ist. Denn dafür hat es einfach viel zu viele Vorteile für beide Seiten.

Anna (Tandemploy):
Menschen finden bei uns den perfekten Partner zum Teilen eines Jobs und treffen auf die Unternehmen, die Jobsharing offen gegenüber stehen. Sie können sich dann, entweder einzeln oder bereits im Tandem, auf die bei uns ausgeschriebenen jobsharing-freundlichen Stellen bewerben. Oder aber sich initiativ an die Unternehmen wenden, die bei uns bereits Flagge zeigen für Jobsharing.

CA, metaHR:
Wie seid Ihr auf die Idee für Tandemploy gekommen?

Jana (Tandemploy):
Das war in unserem letzten Job, in dem Anna und ich uns auch kennengelernt haben. Wir haben in einer Personalberatung für die digitale Wirtschaft gearbeitet – und dort landete eines Tages eine Jobsharingbewerbung in meinem Postfach. Zwei Menschen bewarben sich auf eine Stelle, die ich für einen Kunden ausgeschrieben hatte. Mit einer Bewerbung im Puzzleformat und sogar einem Elevator Pitch.
Als wir dann zu dritt geskyped haben, war ich schnell von dem Modell überzeugt. Die beiden deckten zusammen all das ab, was mein Kunde wollte – und das ist im Recruiting wirklich selten der Fall. Die typische Stellenanzeige gibt immer ein Idealbild vor, dem eine Person alleine kaum entsprechen kann. Analytisch und gleichzeitig sehr kreativ, fünf Sprachen fließend – man kennt es ja. Kurzum: Ich war total begeistert, sprach zurück im Büro mit Anna darüber, wir begannen zu recherchieren, wunderten uns, dass niemand bei der Umsetzung dieses flexiblen Arbeitsmodells unterstützte – und unsere Entscheidung zu gründen war schnell gefällt.

CA, metaHR:
Worauf müssen Menschen und Unternehmen achten, wenn Sie Jobsharing effektiv nutzen wollen?

Anna (Tandemploy):
Die Jobsharer selber müssen sich gut organisieren und transparent miteinander kommunizieren. Außerdem sollten sie grundsätzlich das gleiche Ziel verfolgen und sich sympathisch sein, die Chemie muss stimmen. Weiterhin sollten sie grundsätzlich flexibel sein und bereit, sich auch mal zu vertreten oder am Abend oder Wochenende miteinander zu telefonieren.

Jana (Tandemploy):
Unternehmen müssen vor allem bereit sein, die Verantwortung für das Ausfüllen der Stelle an das Jobsharing-Tandem abzugeben. Typischerweise teilen sich Jobsharer Aufgaben und Zeit selber untereinander auf. Sie sorgen dafür, dass alle Aufgaben erledigt werden und die Stelle aus Arbeitgebersicht 100%besetzt ist. Wie eine Vollzeitkraft eben, nur dass es für sie selber wesentlich flexibler gestaltet ist. Aus Unternehmenssicht ist es aus meiner Sicht eine Chance, Tandems einzustellen, die innerhalb ihres Aufgabenbereichs komplementär aufgestellt sind. So haben Unternehmen sozusagen einen „Supermitarbeiter“, der viel mehr abdecken kann als eine Einzelperson.

CA, metaHR:
Ihr beide arbeitet selber im Jobsharing-Modus als Geschäftsführerinnen Eures Startups. Wie sind Eure eigenen Erfahrungen. Welche Mehrwerte erlebt Ihr, wo wird es auch mal schwierig, gerade im Hinblick auf Eure Verantwortung in dieser Führungsrolle? 

Anna (Tandemploy):
An dieser Stelle wird es wie immer Zeit für meine Liebeserklärung an Jana, auch wenn sie das immer leicht peinlich findet: Ich habe noch nie so schön gearbeitet wie jetzt mit Jana im Jobsharing. Wir ergänzen uns einfach perfekt, sie kann und mag alles, was ich nicht kann und mag. Ich möchte ehrlich gesagt nie wieder anders arbeiten.

Jana (Tandemploy):
Anna ist sehr visionär und super darin, die Gesamtstrategie im Blick zu behalten. Ich bin dann die, die sagt: super Plan, wir starten heute mit der Umsetzung. Und zwar so, so und so. Geteilte Verantwortung in der Führung sehe ich als absoluten Vorteil und es gab damit noch keine Probleme bei uns. Wichtige Entscheidungen durchdenken wir zu zweit, treffen sie gemeinsam – und ernten natürlich auch gemeinsam Erfolge und Rückschläge. Beides ist schöner zu zweit.

CA, metaHR:
Meines Wissens nach gibt es häufiger noch Vorbehalte gegen Jobsharing bzw. Teilzeit. Mit welchen Mythen sollte man einmal aufräumen?

Anna (Tandemploy):
Viele Unternehmen fürchten einen hohen Kommunikationsaufwand der Jobsharer. Natürlich müssen die beiden sich auch gut absprechen – aber das schaffen sie, aus unserer Erfahrung heraus, sehr gut. Nicht vergessen darf man die hohe Eigenmotivation der Menschen, denen dieses flexible, lebensfreundliche Arbeitsmodell ermöglicht wird. Sie wollen zeigen, dass es funktioniert und tun das auch. 100%aller Unternehmen, die es einmal ausprobiert haben, bleiben dabei, weil sie einfach sehen, dass die Qualität der Arbeit nur gewinnen kann.

Jana (Tandemploy):
Manche Arbeitgeber fürchten auch die höheren Kosten. Das ist aber unbegründet. Lediglich wenn das Gehalt eine bestimmte Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, steigen die Sozialabgaben leicht an. Diese Mehrkosten werden aber mehr als abgefedert durch die 10-15%höhere Produktivität von Mitarbeitern in Teilzeit und die stark verminderten Kosten durch Krankheit und Urlaub. Wenn jemand krank oder abwesend ist, ist zumindest immer eine „halbe“, bestens informierte Person da. Oftmals vertreten sich die Jobsharer auch komplett, sofern sie das im Arbeitsvertrag so geregelt haben.

Anna (Tandemploy):
Auch ein schöner Mythos, der sich hartnäckig hält: Wenn einer darf, wollen doch bestimmt alle im Jobsharing arbeiten. Das passiert natürlich nicht, da niemals alle Mitarbeiter gleichzeitig in einer Lebensphase sind, in der sie weniger arbeiten möchten oder müssen. Außerdem ist nicht jeder der Typ für Jobsharing – und nicht jedem reicht das geringere Gehalt.

Jana (Tandemploy):
Viele verwechseln Jobsharing auch mit Teilzeit – und haben dadurch von Beginn an eine falsche Vorstellung davon. Dabei unterscheidet sich Jobsharing durch die enge Zusammenarbeit der Tandempartner und die souveräne Einteilung von Aufgaben und Zeit ganz grundlegend von Teilzeit – und macht auch ganz andere Stellen flexibel, bis in die Führungsetage. Es ist lebensfreundliches Arbeiten für ganz neue Positionen und setzt da an, wo Teilzeit an ihre Grenzen stößt.

Screenshot_Tandempartner_Börse

Tandemploy: Ein Blick in die Plattform. Hier finden Jobsharer und Unternehmen zusammen.

CA, metaHR:
Der Einstieg ist geschafft. Wie plant Ihr nun die weitere Entwicklung und die Zukunft von Tandemploy?

Anna (Tandemploy):
Damit Tandemploy.com mit Leben gefüllt wird, muss die Idee des Jobsharing noch bekannter werden. Das Modell kann viele aktuelle Herausforderungen unserer Gesellschaft lösen und ist bei Unternehmen und Menschen, die es bereits kennen, sehr gefragt. Grundsätzlich ist es aber noch zu wenig bekannt. Viele Menschen haben noch nie davon gehört – und sind sich dementsprechend auch nicht der vielen Vorteile bewusst.
Daher ist es uns ein großes Anliegen und auch ein Schwerpunkt der nächsten Zeit, dem Thema Jobsharing eine starke Stimme zu geben.

CA, metaHR:
Anna, Jana, danke für diese Einblicke in Euer Jobsharing und zum Thema insgesamt. Das klingt wirklich spannend und ich wünsche Euch viel Erfolg damit noch zahlreiche Jobsharing-Tandems zusammen zu bringen.

 


Über meine Gesprächspartnerinnen
:

Gruenderinnen_Portraet

Anna Kaiser: Anna hat bereits mehrere Unternehmen mitgegründet und war zuletzt bei der Berliner Personalberatung i-potentials im Recruiting der Young Potentials tätig. Dort lernte sie Jana kennen, mit der sie sich nun die Geschäftsführung von Tandemploy teilt. Mit Tandemploy setzt Anna sich für das ein, was ihr auch im eigenen Unternehmen das Wichtigste ist: eine nachhaltige Lebens- und Arbeitsweise.

Jana Tepe: Jana übernimmt im Geschäftsführungs-Tandem mit Anna den kreativen Part, findet Worte und Bilder für die Arbeitswelt von morgen und schreibt u.a. den Unternehmensblog zweiteilen.de. Seit 8 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit HR-Themen und neuen Medien, hat einen Master in „New Media and Communication“ und zuletzt bei i-potentials die Bereiche Personal und Marketing verantwortet.

3 thoughts on “Teamarbeit auf einer Stelle. Ein Interview zum Thema Jobsharing mit Jana und Anna von Tandemploy

  1. Pingback: Mehr Zeit zum Leben | Die Trendblogger

  2. Pingback: GEON Karriere: Urlaubszeit, Jobsharing und Bewerbungsgespräch - Gehirn Online

  3. Recruitment Interessent

    Das ist ein höchst interessanter Ansatz! Solche neuen Arbeitsmodelle werden von Firmen beim Recruitment aktuell noch selten umgesetzt. Personalchefs, die für das Recruitment zuständig sind, gehen oft traditionell vor. Aber vielleicht ändert sich das bald, und solche Modelle kommen häufiger vor!

Kommentare sind geschlossen.