Comeback kings – Ex-Mitarbeiter als spannende Ressource für Arbeitgeber

Comeback kings – Ex-Mitarbeiter als spannende Ressource für Arbeitgeber

Demografischer Wandel und „War for Talents“ (Achtung: Schlagwortalarm!) werden Unternehmen zukünftig immer häufiger zwingen genau zu überlegen, wo und wie sie an geeignete Mitarbeiter kommen. Eine durchaus interessante, aber bisher wenig thematisierte Zielgruppe können dabei die ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens sein. Wie können Unternehmen davon profitieren, den Kontaktfaden zu ihren Ehemaligen zu halten und worauf sollten Bewerber achten, wenn sie erwägen zum alten Unternehmen zurück zu kehren? Das lesen Sie in folgenden Beitrag…

 

Ex-Mitarbeiter eine oft wenig beachtete Zielgruppe.

Das Kuriosum: Mensch und Unternehmen kennen sich so gut. Man weiß voneinander so viel, aber beim Verlassen des Unternehmens wird diese Beziehung oft fallen gelassen. Das Wissen über bspw. die Kompetenzen dieser Person erlischt (seitens des Unternehmens). Es verbleiben natürlich meist persönliche Kontakte und Freundschaften. Aber dies sind Beziehungen, die auf rein persönlicher Ebene organisiert sind. Das Unternehmen selbst tritt in den Hintergrund. Es wird inaktiv.

 

Häufiges Motto im Umgang mit Ehemaligen:
„They never come back“

Dieses Motto aus der Boxszene, welches besagt, dass Champions die einmal den Titel verloren haben nicht wiederkehren, scheint ein wenig wie das unausgesprochene Motto einer Reihe von Unternehmen zu sein, wenn es um ihre Ex-Angestellten geht.

Die bisher an den Tag gelegte Wertschätzung gegenüber Ehemaligen ist oft nicht besonders hoch. Kennzeichen hierfür sind z.B. fehlende Austrittsgespräche, eine unstrukturierte oder fehlende Trennungskultur. Vielfach bleibt es ein rein administrativer Trennungsvorgang,
d.h. Arbeitszeugnis – letzte Gehaltszahlung – fertig. Von hier an hört das Unternehmen auf eine Beziehung zu dieser Person zu haben. Die ehemaligen Mitarbeiter sind dort oft weiter. Vielfach sind Menschen über lange Zeit mit ehemaligen Kontakten verbunden, pflegen ihr Netzwerk. Unternehmen tun sich damit deutlich schwerer und verschenkten die Chance darauf auf organisationaler Ebene Ex-Mitarbeiter als Stakeholdergruppe für sich zu organisieren und zu nutzen.

Zwischenfazit: Zahlreiche Beziehungen zwischen Menschen bleiben in Takt und Verbindungen bleiben bestehen, während die Beziehung zum Ex-Arbeitgeber oft abbricht. Unternehmen, die dies erkennen können Gegensteuern. Die Beziehungen zu ihren Ehemaligen können sie erhalten und nutzen.

 

Was Unternehmen mit und für ihre Ehemaligen tun können

Genauso wie viele Angestellte bestrebt sind, nachdem sie ihr Unternehmen verlassen haben alte Verbindungen aufrecht zu erhalten und zu nutzen sollten auch Unternehmen denken. Immer dort, wo ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt (und wenn sich im Guten getrennt wurde) sollte das jeweilige Unternehmen den ausscheidenden Mitarbeiter weiter in lockerer Form an sich binden. Damit jenseits der persönlichen Bindungen auch das Unternehmen als Organisation auf Ehemalige zugehen kann, Know-how und Netzwerkeffekte nutzen kann, müssen den Ex-Angestellten natürlich auch Vorteile geboten werden. Ehemaligenorganisationen, sog. Alumni, schaffen genau so etwas. Heutzutage kann das bspw. via sozialer Netzwerke oder geschützter Internetforen (z.B. auf der eigenen Firmenseite) umso einfach organisiert werden.

Der administrative und technische Rahmen ist jedoch nur die Hülle dessen. Wichtiger noch ist die „Füllung“, d.h. Inhalte und Angebote für die Ehemaligen. Warum soll ein Ehemaliger Arbeitnehmer in Verbindung bleiben wollen? Diese Frage muss zureichend beantwortet werden. Zunächst können ganz simple Gründe dazu herangezogen werden. Das Bedürfnis in Verbindung mit Kollegen und Ex-Kollegen zu bleiben ist ohnehin recht ausgeprägt. Dieses Bedürfnis kann durch eine Ehemaligen-Betreuung mit dem Bedürfnis nach Einfachheit zu kombiniert werden. Eine vorhandene Alumni-Gruppe in einem sozialen Netzwerk oder via Firmenportal beitreten macht keinen Aufwand für die Ehemaligen.
Genau darum geht es: Unternehmen sollten es ihren Ehemaligen bequem machen und zudem gelegentlich Neues aus dem Umfeld des Unternehmens oder der Branche bieten. So kann eine Alumni-Organisation z.B. Jahrestreffen organisieren, Newsletter versenden, Fachinhalte z.B. in Mitmachform kommunizieren (Ideenbörse) oder über Sonderkonditionen weitere Vorteile bieten. Der Grund warum Ehemalige aktiv werden ist individuell unterschiedlich. Daher sollten Unternehmen bemüht sein ihre Aktivitäten und ihre Kommunikation mit ihren Ehemaligen stets so aufzubauen, dass verschiedene Motive ausreichend bedient werden bspw.:

– das persönliche Kontaktmotiv (alte Kollegen wieder treffen, Austausch pflegen),
– der Wunsch nach Wertschätzung (z.B. Frage nach Meinung)
– Wunsch nach Zugehörigkeit (Club-Gedanke pflegen -> Exklusivität)
– Spaß und Unterhaltung
– Mehrwert (z.B. Sonderkonditionen)
– Themenspezifisch auch: Die Leidenschaft für eine Sache (Fachthemen/ -foren)

Gute Umsetzungsbeispiele bieten die Alumni-Organisationen von großen Unternehmensberatungen wie bspw. das Ernst & Young Alumni Netzwerk oder die Alumni-Organisationen von Hochschulen (Bsp. „stay in touch“ das Alumni-Programm der Humboldt-Universität Berlin).

Arbeitgeber mit Ehemaligen-Organisationen schaffen sich im Ideal ein Netzwerk von Know-how-Trägern und Multiplikatoren. Sie aktivieren und nutzen eine weitere wichtige Stakeholdergruppe und schärfen damit ihren Außenauftritt als Arbeitgebermarke.

Wichtig um dies realisieren zu können: Eine Kultur im Unternehmen zu schaffen bzw. zu erhalten zu der sich die Angestellten gern bekennen. Hier wird der Grundstein gelegt, damit eine Alumni-Gruppe überhaupt zum Leben erweckt werden und allen Seiten Mehrwert bieten kann. Anders gesprochen: Wenn schon die Zeit im Unternehmen als belastend empfunden wird, gibt es wenig Gründe nach dem Ausscheiden ein engagierter Multiplikator und Alumni des betreffenden Unternehmens zu werden…

 

Ex-Mitarbeiter zur Ressource werden lassen –
wie Unternehmen profitieren können

Wie können Unternehmen von ihren Ehemaligen profitieren?
Es gibt vordringlich zwei Wege, auf welchen sich für Unternehmen entsprechende Aktivitäten auszahlen

Die direkte Nutzung der Ressource Ex-Mitarbeiter: Comeback Kings
Als „Re-Import“ können ehemalige oft erneut ins Unternehmen einsteigen und fortgeschrittene Positionen übernehmen (fachlich oder als Führungskraft). Das Unternehmen kennt die Ehemaligen, weiß über welches Know-How sie verfügen und kann nach deren „Ausflug“ zu anderen Arbeitgebern ggf. mit Kompetenzzuwachs rechnen. Der Mitarbeiter kann sich schnell wieder einfinden, kennt bereits Strukturen, Unternehmenskultur und die Branche. Idealerweise bringt dieser Mitarbeiter bereichernde Außenerfahrungen vom Markt mit, sprich Einsichten wie bei Wettbewerbern gearbeitet wird. Gerade im Vertrieb oder in der Entwicklung ein bedeutendes Gut. Das einstellende Unternehmen muss diese Kompetenzzuwächse allerdings auch honorieren. Ein Wiedereinstieg wird in aller Regel mit verbesserten Bezügen stattfinden. Hilfreich ist übrigens für die Ansprache und das Angebot einer erneuten Zusammenarbeit ehemalige Vorgesetzte dieser Person zu nutzen, statt einer Nachricht aus der Personalabteilung der via Newsletter des Alumni. Faustregel hier: Je fester die persönliche Beziehungsbrücke, desto leichter kann die Ansprache hinüber gebracht werden. Dass dann ein gutes Verhältnis zwischen Ex-Chef und Ex-Mitarbeiter bestehen muss erklärt sich von selbst…

Die indirekte Nutzung der Ressource Ex-Mitarbeiter: Der Botschafter-Effekt
Neben der erneuten Ansprache von Ehemaligen für einen Wiedereinstieg im Unternehmen gibt es zahlreiche indirekte Möglichkeiten, wie Unternehmen von seinen Ehemaligen profitieren kann.
Wie schon im Abschnitt über Alumni-Aktivitäten dargestellt können Ehemalige in verschiedene Aktivitäten eingebunden werden. Sie können weiter Teil haben an bestimmten Lieblingsthemen, sie stellen ein Netzwerk für die Verbreitung von Informationen auf persönlichen Kanälen dar und sie können bestenfalls zu Botschaftern der Arbeitgebermarke werden. Seitenbemerkung: Es wird in letzter Zeit viel über Authentizität von Personalmarketing diskutiert. Na klar sind Aussagen von aktiven Mitarbeitern tendenziös, zumal sie im Personalmarketing als Testimonials eingesetzt werden. Aber das verwundert mich nicht, schließlich ist auch Personalmarketing ein Teil des Marketings und da werden nun mal die positiven, schönen Seiten herausgearbeitet! Was kann also authentischer sein, als ein ehemaliger Mitarbeiter, der völlig entspannt und qua Ex-Status über jeden Verdacht erhaben sagt: „Ja, das war eine tolle Zeit dort, ich würde es wieder tun! Ein prima Arbeitgeber.“
Insofern bieten sich viele positive Netzwerkeffekte hinsichtlich ehemaliger Mitarbeiter für ein Unternehmen. Sicher besonders interessant ist hier die Rolle Botschafter der Arbeitgebermarke, Multiplikator und Empfehlungsgeber auf persönlicher Ebene.

 

Worauf Bewerber bei einer Rückkehr zum
alten Arbeitgeber achten sollten

Tatsächlich ist eine Rückkehr von ehemaligen Arbeitnehmern zum alten Unternehmen oft seitens der Vorgesetzten gern gesehen. Laut der Robert Half Studie Workplace Survey würden rd. drei Viertel der Führungskräfte in Deutschland und Österreich sich darüber zu freuen ehemalige Beschäftigte wieder an Bord zu haben.
Unternehmen schätzen die Vorteile von solchen „Rückholaktionen“, nehmen aber auch die Risiken wahr. So werden bspw. die Motive für das erneute Engagement richtigerweise klar hinterfragt und müssen überzeugen. Selbstverständlich muss die vorangegangene Trennung sauber und ohne verletzte Gefühle auf beiden Seiten verlaufen sein.
Wenn dem so ist, steht einem Wiedereinstieg nichts im Weg. Oft können Rückkehrer nun deutlich bessere Bezüge von durchschnittlich 15-20% im Vergleich zum aktuellen Gehalt verlangen.

Arbeitnehmer sollten bei einer Rückkehr zum ehemaligen Arbeitgeber darauf achten, dass sich Erwartungen und gegenseitige Wünsche auf dem aktuellen Stand befinden. Wer bspw. drei Jahre woanders gearbeitet und ggf. noch eine Weiterbildung gemacht hat, bringt andere Erwartungen mit als vormals. Dies sollte dem Arbeitgeber kommuniziert werden. Auch ein unternehmensübliches Einarbeitungs- oder Onboarding-Programm sollte unbedingt wahrgenommen werden, auch wenn der Kandidat das Unternehmen früher kennt.

Ein weiterer Aspekt ist der eigene Auftritt im neuen alten Unternehmen: Bereichert durch Erfahrungen in anderen Organisationen fallen dem Rückkehrer vielleicht eine Reihe Punkte auf, die überdenkens- oder verändernswert sind. Doch Vorsicht: Mit zu vielen und zu schnell vorgebrachten Initiativen kann man sich unnötige Opposition schaffen. Auch wenn der Wiedereinsteiger zahlreiche Themen und Kollegen noch kennt. Anfangs besonders viel und gut zuhören!

Letztlich ist ggf. auch noch ein behutsames Vorgehen geboten wenn ein Rückkehrer nun in hierarchisch höherer Position auf alte Kollegen trifft bzw. diese sogar führt. Gerade hier ist diplomatisches Geschick und volle Unterstützung der eigene Führungskraft gefragt.

Hier noch eine schöne Fallstudie über die Rückkehr zum alten Arbeitgeber.

 

Und Sie, liebe Leser, sind Sie in einer Alumni-Organisation? Welche Beziehung pflegen Sie zu
Ihrem Ex-Arbeitgeber? Erzählen Sie davon!

CA

2 Gedanken zu „Comeback kings – Ex-Mitarbeiter als spannende Ressource für Arbeitgeber

  1. Birgit Dondorff

    Schöner Beitrag auf den Punkt gebracht. Mitunter am wichtigsten sehe ich den Hinweis: „Selbstverständlich muss die vorangegangene Trennung sauber auf beiden Seiten…“ Zudem sollte der potenzielle Rückkehrer noch mal Revue passieren lassen, was ihn seinerzeit zum Verlassen des Unternehmens wirklich bewegt hat: war es das Klima, die Karrieremöglichkeiten, die Dotierung. Bis auf in wenigen, dynamischen Branchen, wo höhere Dotierungen ein wesentliches Kriterium für den Wechsel bilden, hat sich meist ein allgemeiner Unmut über eine längere Zeit „hochgeschaukelt“. In so einem Fall denke ich, auch aus persönlicher Sicht, ist von einer Rückkehr abzuraten!

  2. Birgit Dondorff

    und in Ergänzung: Bei mir gingen lange Überlegungen dem Beenden des Beschäftigungsverhältnisses voraus. Nein, ich wäre auf keinen Fall ein „Heimkehrer“!

Kommentare sind geschlossen.