HR BarCamp 2017: Die Digitalisierung, ihr Mindset und viele gute Vibrations

Auch im sechsten Jahr seiner Existenz zeigt sich das Berliner HR BarCamp als frisches und wertvolles Event. Jedes Mal aufs Neue wird in der HRBC-Reihe dieser spezielle, positive Geist erzeugt und es wird unmittelbar und selbstverständlich auf Augenhöhe rund um HR-Innovationsthemen diskutiert. Nicht zuletzt verband auch in diesem Jahr die HR-Community inhaltlichen Anspruch mit augenzwinkerndem Spaß und der Leichtigkeit. Wie die vielen positiven Feedbacks via Twitter sagen, stimmte das Gesamtpaket wieder einmal. Das freut die Organisatoren (Bild). Inhaltlich waren das Thema HR-Digitalisierung und der Umgang damit dominant. Es gab aber auch zahlreiche interessante Non-Mainstream-HR-Themen nebenher. Ein inhaltlicher und persönlicher Rückblick.

 

Erneut kamen die HR BarCamper/innen im Berliner Ellington Hotel zusammen. Der 16.03. und der 17.03.2017 sollten zwei inhaltsreiche und stimmungsvolle Tage für die HR-Innovationscommunity werden. Rund 215 Teilnehmer waren für das Event angemeldet. Bei einer No-Show-Rate von wieder nur ca. 6% stellte das Event erneut seine große Zugkraft in der HR-Szene unter Beweis.

Eröffnung des HR BarCamp 2017 Berlin.

Die Spielregeln des HR BarCamps sind stets die Gleichen: Jeder auf dem Event ist gleich viel wert und kann bis zu zwei inhaltliche Sessionvorschläge einreichen. Diese müssen in kurzen Pitches vor dem Plenum vorgestellt werden. Anschließend wird gevotet. Diejenigen Themen, welche genug Stimmen aus den Reihen der Teilnehmer bekommen werden direkt im Anschluss in etwa einstündigen Sessions in verschiedenen Räumen bearbeitet. Die Sessionbringer fungieren dann als Impulsgeber und Moderatoren. Sales-Aktivitäten sind unerwünscht, alle sind per Du und mit dem Hashtag #HRBC17 twitterten die digitalaffinen HR BarCamp-Besucher jede Menge Infos aus den Session in die Welt hinaus. Vorteil: Man bekommt so inhaltlich auch hinterher oft noch Anschluss an Themen, denen man selbst nicht beigewohnt hat. Die Pausen und das Networking mit vielen Gleichgesinnten sind stets das Sahnehäubchen.

Auf dem HR BarCamp ist Networking zwanglos und selbstverständlich.

Bevor wir die Sessionsvorschläge hörten, gab es als traditionellen HRBC-Auftakt ein Warm-Up der besonderen Art. Mein Orga-Kollege und HR BarCamp Co-Erfinder Jannis und ich haben bisher auf jedem unserer HR BarCamps nach der allgemeinen Begrüßung ein anderes Warm-up angeboten. Immer so, dass jeder auf dem Event sofort merkt: Das hier wird anders – und es darf Spaß machen! Nach Bauchtanz, isländischem „Hu“ oder Impro-Rap, hatten wir diesmal einen Haka, einen Maori-Kriegstanz vorbereitet, wie er durch die neuseeländische Rugby-Mannschaft weltbekannt geworden ist. Ok, unser Haka war etwas simpler als das Original, doch erfüllte es den Zweck und brachte den Saal sofort auf Touren und das erste Lachen in die Gesichter…

HR BarCamp Warm-Up: Gleich zeigen, dieses Event tickt anders. Diesmal ein „Haka“.

Die inhaltlichen Vorschläge waren zahlreich: Etwa 50 Angebote wurden eingebracht, wovon 36 Themen durchgeführt werden konnten. Dominant waren HR-Digitalisierungsthemen in verschiedenen Facetten. Gleich mindestens vier Sessiongeber, fusionierten dann auch spontan zu einer Art Digitalisierungs-Kooperative und wurden – nicht weiter verwunderlich – auch auf Top-Rank gevotet. Neben den HR-Digital-Themen gab es mehrere Angebote für Recruiting-Themen, z.B. die autonome Stellenanzeige, sollten Recruiter ein bestimmtes Alter haben, Empfehlungsrecruiting, wie wird Recruiting 2030 sein, was macht gute HR-Videos aus, ist nun die Zeit der Videobewerbung gekommen, Snapchat im Azubimarketing oder was stirbt zuerst, die Stellenanzeige oder das Anschreiben. Neben diesen Recruiting-orientierten Vorschlägen gab es mehrere spannende Vorschläge zur HR-„Selbstreflektion“ bzw. zu Mindset-Themen, wie ich es mal beschrieben möchte. Beispiele hierfür nannten sich HR meets Strategy, Unternehmenskultur 4.0, wir brauchen Veränderung aber kaufen Technologie, was ist ein Digital Mindset oder mehr Sichtbarkeit für HR-Frauen. Als letzte thematische Gruppe gab es dann noch Angebote, welche sich eben nicht gruppieren lassen, d.h. eher nicht die Big Issues sind, aber doch sehr spannend und das Event bereichernd. Hierfür standen Pate: Co-Working und Raumkonzepte, Generationenclash im Mittelstand, Mindfulness, Augen auf beim HR-Softwarekauf, Ideenfindung, Arbeitsrecht und Datenschutz. Ganz besonders war dann noch das Sessionangebot meines lieben Co-Organisators Jannis, der mit dem „HR-Nähkästchen“ ein Forum anbot, wo Personaler mal vertraulich über die unangenehmen Seiten der Personalarbeit sprechen konnten. Darunter fielen bspw. Umgang mit Drogen- oder Alkoholsucht am Arbeitsplatz, Rosenkriege im Büro oder chronischen Low-Performern, cholerischen Führungskräften oder sexueller Belästigung. Fiese Themen, aber leider auch Teil der Realität. Nicht verwunderlich, dass diese Session sehr gut besucht war und auch im Recall, der Wiederholung der beliebtesten Sessions, ganz vorne lag. Jannis hat über diese, seine Session, hier schon gebloggt.

Session-Pitch: Über 50 Themenvorschläge wurden im Plenum eingebracht. 36 konnten durchgeführt werden.

HRBC-Stammgäste Jan Kirchner und Wolfgang Brickwedde geben eine Session zu „Future of Recruiting“

Florian Schrodt (Direct Line Versicherung) und Henner Knabenreich im Zentrum einer Diskussion.

Am Abend des ersten HRBC-Tages machten wir es wie so oft in den vergangen Jahren ernst mit der Ansage uns nicht immer so ernst nehmen und gleichzeitig für maximalen Spaß zu sorgen. Mit der „Mega HR Show“ nahmen wir parodistisch Anleihe bei den Gameshows der frühen 1990er und schickten zwei Teams gegeneinander ins Rennen: HR-Diensleister (D-Team) versus Corporate Personaler (P-Team). Beide Teams bestanden aus vier Personen und mussten in der ersten Spielrunde im Tabu-Modus HR-Begriffe erraten, dann um die Wette auf klassischen, analogen Schreibmaschinen ein Absageschreiben tippen und schließlich in einem Staffellauf auf Bürostühlen einen Slalomkurs bewältigen. Jannis und ich hatten als Moderatoren dieses Abendevents auf einen Titanenkampf gehofft und diesen auch bis kurz vor dem Ende bekommen. Dann aber entschieden die Teamkapitäne Andreas Schöning (Agentur Markenfrische, D-Team) und Bernd Konschak (Personalmarketing, SICK AG, P-Team) unserem Wettbewerbseifer eine Lektion zu erteilen: Sie liefen vereint über die Ziellinie ein und demonstrierten so im besten HR BarCamp-Geist, das es nur zusammen geht: Personaler und HR-Dienstleister als ein großes Team. Wonderful!

Mega HR Show: Vereinter Zieleinlauf beider Teamkapitäne.

Spaß am Abend: Mega HR Show-Teams und Moderatoren nach der Siegerehrung.

Mein inhaltliches Fazit:
Inhaltlich sagt mir dieses HR BarCamp, dass die Digitalisierung bzw. die Beschäftigung damit nun voll im Großhirn der HR-Akteure angekommen ist. Das heißt nicht das damit die sich aus der Digitalisierung ergebenden Herausforderungen einfach bewältigt werden können, aber immerhin ist Digitalisierung kein „Auch“-Thema mehr, sondern DAS zentrale Thema für HR. Viele Facetten werden noch bearbeitet. Einiges ist noch auch unklar. Vor allem auch noch immer wie HR am besten in die notwenige Gestalter-Rolle kommt und seinen Platz am Strategie-Tisch bekommen kann.

Ideen zum zeitgemäßen Mindset – Ergebnisse einer Session beim HRBC17.

Relativ einig ist man sich jedoch bei der Einschätzung, dass Digitalisierung zwar technologisch getrieben ist und unser Leben, unsere Arbeit und viele, viele Geschäftsmodelle verändern wird, aber die Antworten auf die daraus entstehenden Fragen in allererster Linie aus den Bereichen Unternehmenskultur und persönlicher Haltung kommen müssen. Daher waren auf diesem HR BarCamp die Diskussionen rund um das passende digitale Mindest von HR selber, aber auch von Unternehmen zum erfolgreichen Umgang mit Digitalisierung sehr präsent. In diesen Gesprächen wurden einige konkrete Konsequenzen für eine State-of-the Art-HR-Arbeit klar. Bspw. dass mittlerweile die Einschätzung der Recruiting-Experten dahin geht, dass bei Bewerbern der Cultural Fit zum Unternehmen viel wichtiger einzuschätzen ist als der Professional Fit zum Job. Oder das Personen, welche erfolgreich in der HR-Arbeit der Zukunft sein wollen besser ein persönliches Skillset mitbringen, welches in jedem Fall eine Affinität zu Daten wie gleichwohl zu Kultur enthalten sollte. Beides Aspekte, die ich übrigens voll teile, wie z.B. hier zu Cultural Fit/ Unternehmenskultur und hier zum HR-Akteur der Zukunft nachzulesen ist. Ein inhaltlich sehr umfassender Nachbericht zum HRBC17 ist übrigens hier auf dem REthing Blog von Stepstone nachzulesen.

Mein persönliches Fazit
zum HR BarCamp 2017 ist, dass die innovative HR-Szene im deutschsprachigen Raum lebt und gedeiht. Nicht nur, dass wir wieder rund 50% neue HR BarCamper/innen dabei hatten. Nein, auch thematisch stelle ich eine Evolution fest und weniger kollektives Mitleid miteinander, sondern mehr Lösungsfokus und Interesse an handfesten Ansätzen. Das freut mich. Natürlich freut es mich als quasi HR BarCamp Daddy auch, dass nicht wenige Personen unser jährliches Event als „Klassentreffen“ bezeichnen und damit das stete Wiedersehen mit tollen, innovativen Leuten aus der Szene in Verbindung steht. Final natürlich bin ich unseren Sponsoren dankbar, ohne die ein solches, nicht-kommerzielles Event nie möglich wäre. Danke an: JobUnicorn, Stellenanzeigen.de, Territory-Embrace, Textkernel, TMP und XING E-Recruiting, sowie dem HRBC-Party-Spender DEBA.

Danke an Euch tolle, innovative Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Ihr wieder mal mit beim HRBC dabei ward, mit und ohne Sessionvorschlag. Schön Euch wieder gesehen zu haben – CU @ HRBC18 und vielleicht in diesem September beim HR BarCamp in Wien!

 

Feedbacks zum Event – wir erröten 😉

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