Wie blended learning Trainings besser und günstiger macht

Was ist nochmal b-learning bzw. blended learning? Wie kann es helfen Trainingskonzepte besser zu machen? Wie werden damit Kosten eingespart? Diesen Fragen gehen wir in diesem Beitrag nach…

Was ist b-learning bzw. blended learning?
Blended learning, auch unter dem Begriff integriertes Lernen bekannt, bezeichnet die Kombination von Lernformen aus der online Welt (e-Learning) mit klassischen Lernformen aus der „offline“ Welt, also sog. Präsenz- oder Classroom-Formate. Die Verbindung dieser Lernformen in einem didaktisch sinnvollen Gesamtkonzept ist es, was b-learning bzw. blended learning anstrebt. Der Begriff „blended“ wurde in Anlehnung an eine Bezeichnung aus der Genussmittelindustrie kreiert. Die „blended“ Praxis bezeichnet dort die „Verschnitte“ bzw. Mischungen von z.B. verschiedenen Tabaksorten oder Weinen verschiedener Anbaugebiete in einer Sorte bzw. einem Produkt. Dies soll dort u.a. zur Ausgewogenheit von Geschmack und somit zur Qualität beitragen.
Wie ist es mit Trainingskonzepten? Wo profitieren diese vom b-learning und wo sind die Vorteile?

Vorteile
Während Präsenzveranstaltungen wie Seminare oder Workshops sehr gut geeignet sind, um bspw. soziale Bezugspunkte in der Trainingsgruppe herauszubilden und soziale und kommunikative Kompetenzen unter direktem Feedback und Anleitung des Trainers zu üben und zu trainieren, können insbesondere Fachinhalte über unterschiedliche Medien in elektronischen Lernformen gut gelernt werden. Dabei ist z.B. ein wesentlicher Vorteil die zeitliche und räumliche Entkoppelung der Lerneinheiten in den e-Anteilen, soll heißen, Lerner können Zeitpunkt und Lerntempo weitgehend selbst bestimmen. Außerdem entfallen so Teile der logistischen Kosten von Classroom-Trainings.
Ein gutes blended learning Konzept verbindet also die Flexibilität von e-Lernformen mit den sozialen und übungspraktischen Vorteilen der direkten Kommunikation mit anderen Teilnehmern und dem Trainer.

Besonders experimentelle Ansätze integrieren mittlerweile auch hier noch weiter, indem bspw. Handlungs- oder Action Learning – was bisher eher ein klassisches Classroom-Format ist – in die virtuelle Welt von Second Life übersetzen. Ein Bericht darüber findet sich hier im SLTalk. Für die breite Masse der Anwendungen ist dies vermutlich jedoch (noch) nicht vollständig geeignet.

Wie kann blended learning helfen Trainingskonzepte zu verbessern?
Blended Learning kann Trainingskonzepten insbesondere im Vorfeld und in der Nacharbeitung bzw. Transfersicherung von Seminaren wertvollen Mehrwert bieten. Ebenso als digitale Brücke zwischen Präsenzterminen. Ein großer Vorteil ist die starke Nutzung von verschiedenen Medien im e-Learn-Bereich. So können Lernen vor, zwischen oder nach klassischen Seminaren Inhalte auf unterschiedliche Art und Weise erfahren und kennen lernen. Für diejenigen Teilnehmer, welche gern ein individuelle Lerntempo wünschen, sind solche vor-, nach- oder zwischengeschalteten e-Lernphasen sehr wertvoll. Interessant kann ebenfalls sein die Teilnehmer mit weiteren Arbeits- oder Recherchearbeiten aus dem Seminar zu entlassen und sich „zwischendurch“ virtuell wiedertreffen zu lassen. Dabei können ggf. vom Trainer mit Feedback in einem Forum oder einem Chat betreut, User generierte Contents zum Lernthema entstehen. Unserer Erfahrung nach steigert dies die Lernmotivation der Teilnehmer erheblich. Voraussetzung dafür ist es, dass die Lerner sich nicht alleingelassen fühlen, also stets einen Ansprechpartner haben, die technischen Rahmen so einfach wie möglich gehalten werden und die Selbstlern- oder Vertiefungsaufträge zumindest im Rahmen einer Minimalanforderung definiert wurden. Wer mehr Details zu einem Thema wünscht kann diese jedoch ebenfalls beitragen. Außerdem ist es wichtig, dass die Ergebnisse aus diesen Lern-/ Arbeitsphasen wieder im nächsten Präsenztermin eine Rolle spielen, z.B. in Form einer Präsentation vor anderen Teilnehmern, einer Gruppendiskussion oder einer Reflektionsaufgabe. Diese Bezugnahme ist ein wichtiges Element, wenn es darum geht Selbstlernphasen in Präsensphasen sinnvoll einzubinden. Oft sind dadurch Themen inhaltlich gut durchgearbeitet und der Trainer kann die wertvolle Seminarzeit mehr für Übungen und Reflektion nutzen, als für Input.

Welche Mittel sind hilfreich?
Sicherlich ist es gut die Selbstlern bzw. e-learning-Anteile über eine e-Lernplattform abzuwickeln, z.B. über moodle. Zwingend nötig ist es nicht. Je nach Anforderung an diese Phasen kann auch ein Wiki nutzbar gemacht werden oder es kann ein online Forum (im Intranet) verwendet werden. Selbst eine Gruppe in Xing oder Facebook ist möglich und kann u.U. sinnvoll sein. Entscheidend hierfür ist, was inhaltlich getan werden soll, welche Medienkompetenz die Teilnehmer haben und wie stark bzw. eng die Betreuung durch den oder die Trainer oder den e-Tutor sein soll.
In unseren Trainings- und Beratungsprojekten mit der metaHR haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine Mischung aus Teilnehmer-aktiven Elementen (Wiki, Chats, Foren) und eher Teilnehmer-passiven Elementen (z.B. webcasts, Dokumente, Aufgaben, Wissensteste zum Thema bereitstellen) gut angenommen wird. Die Menge der Medien und deren Möglichkeiten, sowie die Traineraktivität sollten dabei angemessen auf Zeitdauer, Anzahl der Lerner und Anspruchsqualität der Lernziele abgestimmt sein. Wir bieten dazu u.a. eine dynamische Form an, indem wir bspw. nach einem ersten Präsenztermin die Teilnehmer in einer Webkonferenz wiedertreffen und als Inhalt der Webkonferenz die Online-Möglichkeiten erläutern und mit den Teilnehmern diskutieren. Diese können so bspw. aus dem „Lernbüffet“ auswählen und wir haben die Chance flexibel Elemente unserer Lernplattform einzubinden oder außer Acht zu lassen. Die Teilnehmer werden so also Teil des Prozesses der Medienwahl und bauen gleichfalls (weitere) Kompetenz im Umgang mit diesen Medien auf.

Kosten sparen mit blended learning?
Tatsächlich sind clever abgestimmte blended learning Ansätze soagr oft günstiger als reine Classroom-Seminare. Nicht berücksichtigt ist dabei der positive Effekt der Einbindung der Lerner vor bzw. nach oder zwischen Seminaren. Dies bedeutet unserer Erfahrung nach, dass der Lerntransfer verbessert wird. Insbesondere Wissensinhalte (und bedingt auch Könnensinhalte) aus den Trainingsthemen werden tiefer von den Teilnehmern verankert.

Schauen wir mal auf eine kleine Beispielrechnung für ein Vertriebstrainings mit zwei Modulen. Zunächst in klassischer Form und dann im Vergleich als blended learning Konzept:

 „Klassisches Format“ = 2 x 2 Tage Training im Classroom-Format.
Wir unterstellen die Teilnahme von 10 Vertriebsmitarbeitern.

2200 Euro Seminarpauschale im Hotel
10 Teilnehmer x 55 Euro Seminarpauschale in einem Seminarhotel (Raum/ Technik/ Essen/ Getränke)
  -> 550 Euro/ Tag x 4 Tage = 2200 Euro.
+
1600 Euro Übernachtungskosten
10 Teilnehmer x 2 Übernachtungen = 20 Übernachtungen x 80 Euro = 1600 Euro.
+
5200 Euro Trainerhonorar
4 x 1300 Euro Tagessatz = 5200 Euro.

Summe: 9000 Euro Kosten für 4 Tage Vertriebstraining im „klassischem Format“.
Hier nicht berechnet, aber trotzdem relevant, die Opportunitätskosten, also Kosten durch Ausfall der Arbeitszeit: 8 h Arbeitszeit x 10 Teilnehmer = 80 h pro Tag  x 4 Tage = 320 h Produktivzeitausfall.

 

Und nun das selbe Beispiel als „blended learning“ Format = 2 Tage klassisches Seminar und 3 Online-Lernphasen, davon 2 in Form von Webkonferenzen.
Es werden wieder 10 Teilnehmer angenommen.

1100 Euro Seminarpauschale im Hotel
10 Teilnehmer x 55 Euro Seminarpauschale in einem Seminarhotel (Raum/ Technik/ Essen/ Getränke)
  -> 550 Euro/ Tag x 2 Tage = 1100 Euro.
+
800 Euro Übernachtungskosten
10 Teilnehmer x 1 Übernachtung = 10 Übernachtungen x 80 Euro = 800 Euro.
+
3900 Euro Trainerhonorar
3 x 1300 Euro Trainerhonorar = 3900 Euro.
Warum nur 3 Tage? Wir kalkulieren so: 2 Tage Classroom + je 1/2 Tag für jede Webkonferenz (Vorbereitung je ca. 3 h und Durchführung je ca. 1,5h).
+
500 Euro Kosten pauschal für Web(-Konferenz)-Technik
Pauschal veranschlagte Kosten für Webkonferenz und ggf. kleine Anpassungen in einer entsprechenden Lernumgebung (welche beim Anbieter aber grundsätzlich schon vorhanden ist).

Summe: 6300 Euro Kosten für das Vergleichbare Training im blended learning.
Auch hier ein Gedanken an die Opportunitätskosten, durch nicht produktive Arbeitszeit:
8 h Arbeitszeit x 10 Teilnehmer = 80 h pro Tag.
2 Tage kl.Seminar = 160 h.
2 x Webkonferenzen von je 1,5 h = 3 h in Summe. 3 h x 10 Teilnehmer = 30 h.
Eine Selbstlernphase, für welche der Arbeitgeber jedem der 10  Teilnehmer 4 h gewährt = 40 h.
Summe hier: 160 h + 30 h + 40 h =  230 h Produktivzeitausfall.

Im Vergleich wäre das b-learning Konzept um 2700 Euro günstiger als das klassische Format und es würde den Arbeitszeitausfall um rund 90 Stunden bzw. ca. 30% verringern. Ein Qualitätsverlust muss das Konzept keinesfalls hinnehmen, sondern es binded sogar die Teilnehmer noch stärker ein und es gibt in Summe sogar mehr Termine, an welchen das Thema angegangen wird!

Fazit:
In jedem Fall ist eine blended learning Lösung interessant – wie gesehen auch finanziell – und es macht nach unserer Erfahrung Sinn darüber nachzudenken. In vielen Fällen können Anteile elektronischen und durch die Teilnehmer selbstorganisierte Lernens eine zeitgemäße Alternative zu den reinen klassischen Lernformaten sein. Komplett ablösen sollten elektronische Lernformen die klassischen Formate jedoch nicht, eher clever ergänzen. Hierin und in der Möglichkeit der aktiven und selbstgesteuerten Einbindung von Lernern via social media / web 2.0-Elemente liegt unseres Erachtens die Chancen zu einer operativen Personalentwicklung 2.0 zu gelangen.

CA & OE

 
Weitere, vertiefende Artikel:
Der Blog e-teaching.org bietet ebenfalls einen schnellen und einfachen Überblick zum Thema blended learning. Die Universität Saarbrücken bietet einem webcast zum Thema. Sehenswert und sehr informativ, allerdings im recht akademisch Stil.

4 Gedanken zu „Wie blended learning Trainings besser und günstiger macht

  1. Steffen Henkel

    Hallo,

    vielen Dank für diesen Artikel. Er fasst meiner Meinung nach einige wesentlichen Punkte hervorrangend zusammen.

    Blended Learning ist meiner Ansicht nach der ultimative Ansatz, um Lernen auch in der Methode prozesshaft werden zu lassen. Und damit der Art wie wir lernen, näher zu kommen als dies einfach Trainings und Seminare tun.

    Für mich die große Frage ist, warum es sich nicht stärker durchsetzt. Wie muss das Angebot gefasst sein, damit diejenigen, die den Bedarf haben, es auch annehmen können?

    Ich spreche insbesondere für den Bereich des interkulturellen Lernens, indem immer noch davon ausgegangen wird, dass mit einem eintätigen Training das Thema abgehakt ist.

    Ihre Gedanken dazu interessieren mich sehr.

    Mit besten Grüßen

    Steffen Henkel

  2. Sebastian

    Ich denke, dass das E-Lernen egal in welcher Form eine neue Innovation des Lernens darstellt. Dieses kann man sich durchaus auch als Lehrender zu nutze machen.

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